Jürgen Klinsmann und das Ende des Bayernmärchens
Es kam, wie es nach den zuletzt schwachen Leistungen in der Liga und der Champions League kommen musste: am Montag, den 27.4. wurde Trainer Jürgen Klinsmann nach der 7. Saisonniederlage entlassen – ein richtiger Schritt.
Das Fazit der gut 300 Tage andauernden Ära Jürgen Klinsmann ist schnell gezogen: Leistungsträger wie Demichelis, Schweinsteiger, Toni oder Ribery haben sich nicht verbessert, sondern verschlechtert. Talente wie Podolski, Jansen oder Kroos konnten oder wollten nicht integriert werden. Taktische Veränderungen wurden nicht umgesetzt – schnell wurde auf das bewährte 4-4-2 System Ottmar Hitzfelds zurückgegriffen, um die Hinrunde nicht komplett aus der Hand zu geben. Auf der Habenseite ist lediglich das Leistungszentrum zu verbuchen.
Natürlich könnte man jetzt anführen, das System Klinsmann bräuchte mehr Zeit. Vergessen darf man dabei aber nicht, dass bei Verfehlen des Saisonziels Champions League Stars wie Ribery schwer zu motivieren sein dürften – an eine Vertragsverlängerung gar nicht zu denken. Dazu kommen finanzielle Ausfälle, die notwendige Verstärkungen in größerem Rahmen schwer machen. Wenn man sich den Verlauf der Saison ansieht, hat sich das Management sogar erstaunlich lange hinter Klinsmann gestellt.
Wer Bayern-Vorstandsmitglied Helmut Markwort in der Sondersendung der ARD zum Rauswurf Jürgen Klinsmanns genau zugehört hat, konnte zwischen den Zeilen folgendes heraushören:
- Das Verhältnis der Mannschaft zum Trainer war gestört. Gründe hierfür waren u.a. Mark van Bommel’s Verbannung auf die Bank, der Hickhack um Landon Donovan der als “Spitzenspieler” in die Mannschaft integriert werden sollte und zuletzt die Massnahme gegen Michael Rensing.
- Klinsmann’s Engagement wäre aller Wahrscheinlichkeit nach auch beendet gewesen, wenn er die Schale gewonnen hätte. Zu nachhaltig waren die Demütigungen zuhause gegen Bremen und Schalke sowie auswärts gegen Leverkusen, Wolfsburg und Barcelona. Das Tischtuch zwischen den Fans, die zum größten Teil von Anfang skeptisch waren und Klinsmann war zerschnitten.
Was bleibt ist die Erkenntnis, dass der Sprung an die internationale Spitze für den neuen Trainer in der Saison 2009/10 eine Herkulesaufgabe darstellen dürfte. National wird am FC Bayern aber auch in Zukunft wohl kein Weg vorbeiführen.
Bleibt die Bundesliga: es ist noch alles drin in der Meisterschaft. Meine Dramaturgie für die letzten 5 Spieltage: der VfB Stuttgart holt Magath’s Wölfe am 31. Spieltag vom Thron und am 34. Spieltag gibt es ein Endspiel um die Schale in der Arena. Und als Bayern-Fan drücke ich der Mannschaft inkl. Jupp Heynckes die Daumen.
