Erik Schimmel Was raus muss, muss raus.

27Mai/090

Mario Gomez eröffnet den Transferreigen beim FC Bayern

Nun gut, überraschend kam der Wechsel von Mario Gomez an die Isar nach dem Ergebnis vom vergangenen Samstag nicht mehr: der VfB muss in die Champions League-Qualifikation und kann erst zu Beginn der neuen Saison planen - schlechte Karten also, um Deutschlands besten Stürmer zum bleiben bewegen zu können.

Inwieweit die Investition von 30 Mio. Euro in einen Stürmer Sinn macht, müssen sich die Verantwortlichen beim FC Bayern gut überlegt haben. Ich könnte mir vorstellen, dass man mit der Flucht Luca Tonis nach Italien rechnet und diesen Transfer eingeplant hat, zumal Mario Gomez ein Stürmer mit ähnlicher Spielanlage ist und gesetzt sein dürfte.

Auch ein Wechsel Franck Riberys ist noch nicht gänzlich von Tisch: Olic könnte als hängende Spitze agieren, Schweinsteiger wäre auf der linken Seite ebenfalls eine Option. Rechts liebäugelt Louis van Gaal mit seinem Landsmann Wesley Sneijder. So sehr sich der Franzose in die Herzen der Fans gespielt hat, so stark ist auch die Abhängigkeit der Bayern von seiner Genialität - eine starke rechte Seite tut Not.

In Bayerns Hintermannschaft dürften die Tage von Christian Lell wohl gezählt sein: KSC-Rückkehrer Andreas Görlitz steht als Neuzugang bereits fest, Darijo Srna vom UEFA-Cup Sieger Donezk steht auf der Wunschliste, ebenso wie Schalkes Manuel Neuer. Ob letzterer den Fans zu vermitteln ist, bleibt allerdings abzuwarten: mag man ihm seine Anspielung auf den euphorisierten Oliver Kahn nach dem Gewinn der Meisterschaft 2001 noch als Jugendsünde verzeihen, so ist die Person Neuer doch sehr stark mit Schalke verbunden. Publikumslieblinge haben aber im Bayern-Tor Tradition, daher sollte sich die Bayern-Führung gut überlegen, ob man Michael Rensing nicht etwas mehr Zeit geben sollte.

Der FC Bayern hat mit dem Transfer von Mario Gomez wieder ein Ausrufezeichen gesetzt, die Sommerpause verspricht unterhaltsam zu werden. Ich jedenfalls freue mich auf weitere Transfers und eine erfolgreiche Saison 2009/10.

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24Mai/090

Verfassung top, Demokratie flop?

Unser Grundgesetz ist am 23.5.2009 60 Jahre alt geworden und dessen Väter konnten 1949 noch nicht ahnen, dass aus einem Provisorium die stabilste Verfassung unseres Landes werden würde. Dennoch ist gerade bei den Jungwählern im Superwahljahr 2009 ein wachsendes Desinteresse an der Demokratie zu beobachten. Die Volksparteien CDU und SPD erleben einen Niedergang, ihre Mitgliederzahlen sinken dramatisch.

Während wir letztes Jahr in den USA ein Wiederaufblühen der Demokratie bewundern durften nimmt der Machtwille der Parteipolitiker hierzulande mehr und mehr zu: Karl-Theodor zu Guttenberg wird Wirtschaftsminister - nicht etwa weil er als Jurist die die geeignetste Qualifikation für diesen Job mitbringen würde, sondern weil er als Franke den in der CSU so wichtigen regionalen Proporz repräsentiert. Andrea Ypsilanti sitzt aufgrund eines komfortablen Listenplatzes nach wie vor im hessischen Landtag, obwohl sie von den Wählern für ihre Wahllüge nicht mit den Linken paktieren zu wollen die grösstmögliche Ohrfeige kassiert hat. Deutschland verwandelt sich in eine Demokratie der Parteivorsitzenden. Wer in Deutschland regiert bestimmt nicht mehr der Wähler, auch nicht die Parteibasis sondern die Parteispitze - entweder im Hinterzimmer oder am Wolfratshauser Frühstückstisch. Parteitagsbeschlüsse werden mit SED-ähnlichen Abstimmungsergebnissen verabschiedet.

Der eben von der Bundesversammlung, nicht vom Volk gewählte Bundespräsident Horst Köhler legt in seiner Ansprache Wert auf die Bedeutung der Demokratie:

"Demokratie - das sind wir alle. Jeder soll erfahren, dass es auf ihn ankommt."

Diese Ausage wirkt grotesk, gilt die Wahl zum Bundespräsidenten doch allgemein als Signal für die Machtverhältnisse des kommenden Bundestages. Nicht etwa die gewählten Abgeordneten sondern Koalitionsverträge, die Parteivorsitzende aushandeln bestimmen die Richtung der Politik. Koalitionen wiederum verwässern die Politik, stehen wichtigen Reformen nachhaltig im Weg und verursachen so das Desinteresse der Wähler an der Demokratie. Gerade die große Koalition hat in der laufenden Legislaturperiode den Beweis dafür geliefert, wie wichtige Vorhaben wie z.B. die Reform des Gesundheitswesens grandios scheitern, wenn sie ohne Profil und mit parteipolitischer Taktik auf den Weg gebracht werden.

Dabei haben uns im vergangenen Jahr die SPD-Abweichler in Hessen gezeigt, dass es auch anders geht und der Politk von oben einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es kann nicht sein, dass die Hälfte der Abgeordneten aufgrund ihres sicheren Listenplatzes der Parteiräson Rechnung tragen anstatt Vertreter der Bürger ihres Wahlkreises zu sein, den sie im Parlament vertreten.

Es wäre schön, wenn die Bundesrepublik Deutschland nicht nur die beste Verfassung ihrer Geschichte hätte, sondern auch die beste Demokratie - bevor sie mit 67 wegen Stillstand in Rente geht.

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