Erik Schimmel Was raus muss, muss raus.

2Sep/090

JAKO – oder wo der gesunde Menschenverstand aufhört

Als ich mich Anfang der 90er Jahre selbstständig gemacht hatte, versuchte ich eine Forderung von etwas über 1000 DM von einem Kunden einzuklagen. Ich hatte meine Leistungen vereinbarungsgemäß erbracht, aber der Kunde suchte das Haar in der Suppe und weigerte sich zu zahlen. Ich ging also vor Gericht - und erreichte einen Vergleich von etwa der Hälfte der Forderungssumme. Verglichen mit dem Aufwand und dem Verdienstausfall den ich wegen dieser 500 DM hatte, war die Klage absolut sinnlos.

Genau entgegengesetzt läuft es derzeit im "rechtsfreien Raum Internet": wenn der Goliath in Form einer Firma, vertreten durch eine Anwaltskanzlei den David verklagt, rät der gesunde Menschenverstand eher zu zahlen - bevor die Kosten im Falle einer Klage astronomische Höhen erreichen. Das dachte sich auch Frank Baade, der in seinem Blog einige abfällige Bemerkungen über die schwäbische Firma JAKO zum besten gab und deshalb abgemahnt wurde. Baade zahlte und nahm den beanstandeten Text von seiner Website.

Blöderweise vergisst das Internet nichts und der fragwürdige Text tauchte später an anderer Stelle im Internet über einen News-Aggregator wieder auf. JAKO sah sich daher dazu veranlasst, Baade erneut abzuwatschen zu lassen, diesmal mit einer Keule von über 5000€,  verbunden mit der Drohung, dass Baade weitere Kosten entstünden sollte er nicht Sorge tragen, dass der Text aus dem Internet verschwindet - was dieser natürlich nicht kann.

Der Sachverhalt wird schließlich in epischer Breite im Internet publik und schneller als JAKO Rechtsanwalt sagen kann, verbreitet sich Baades Story. Spätestens wenn die meistgelesene Online-Publikation SPON die Story veröffentlicht kann man wohl von einem PR-GAU sprechen, der JAKO widerfahren ist. Die Blogosphäre als Multiplikator für negative Publicity - sozusagen das krasse Gegenteil von viralem Marketing.

Ich habe am Anfang meiner Selbstständigkeit gelernt, dass Forderungsausfälle zum Geschäft gehören und weiß jetzt mit ihnen umzugehen. JAKO dürfte ebenfalls schmerzhaft gelernt haben, dass man mit unliebsamen Äußerungen gegen das Unternehmen auch souverän umgehen kann, nämlich indem man den Hörer in die Hand nimmt und zuallererst versucht, Meinungsverschiedenheiten mit der betreffenden Person auszuräumen - so wie es der gesunde Menschenverstand eben raten würde.

Fazit: der Rechtsweg ist nicht immer der intelligenteste oder: wer jemandem an's Bein pinkeln will, sollte vorher prüfen woher der Wind weht.

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