Das Ende der Kostenlos-Kultur im Internet?
Die Medien- und Contentindustrie steckt in einem scheinbar ausweglosen Dilemma: sie ist auf Einnahmen angewiesen, konkurriert aber mit Anbietern die ihre Ware kostenlos anbieten. Ganz gleich ob Information oder Unterhaltung: im guten, alten analogen Zeitalter war die Welt für Verlage sowie für die Musik- und Filmindustrie noch in Ordnung. Märkte waren klar definiert und wer eine Zeitung, ein Magazin, eine CD oder DVD konsumieren wollte bezahlte dafür. In der digitalen Welt des Web 2.0 fließen Informationen schnell - und zum Leidwesen der Industrie kostenlos. Geld wird, wenn überhaupt, mit Werbung verdient.
Betrachtet man die Entwicklung der Kommunikation über die Jahre und Jahrzehnte genauer wird schnell klar, dass sich die Kultur nachhaltig gewandelt hat. Im analogen Zeitalter wurden Information eins zu eins, von Person zu Person ausgetauscht. Wer an der Information verdienen wollte, tat das durch Wertschöpfung: Nachrichtenagenturen sorgten für zeitnahe Informationsverteilung, Verlage druckten und verkauften Zeitungen oder Bücher, die Medienindustrie produzierte Unterhaltung und verkaufte Tonträger, Filme oder Videos.
Im Internetzeitalter, in dem praktisch jeder mit jedem vernetzt ist, entfallen schlagartig viele dieser Dienstleistungen. Soziale Netzwerke sorgen für die Verteilung von Nachrichten, Publikationen sind digital schneller verfügbar als Bücher oder Zeitschriften. Ton- und Datenträger werden im Zeitalter von Downloads mehr und mehr überflüssig. Die Informationsvielfalt nimmt zu und in je größerem Maße wirtschaftliche Güter verfügbar sind, desto geringer ist ihr Wert.
Diese Entwicklung, die sich innerhalb weniger Jahre vollzogen hat, hat die Industrie weitestgehend verschlafen. Im sicheren Glauben an einen Status Quo, festgelegt durch räumliche und gesetzliche Rahmenbedingungen, müssen Anbieter von Informationen und Inhalten heute zusehen wie ihre Ware verramscht wird. Man versucht sich in Protektionismus durch Kopierschutzmaßnahmen oder in der Schaffung von gesetzlichen Rahmenbedingungen, um deren Einhaltung sich im globalen Internet freilich niemand schert.
Dabei ist die Lösung einfach: an Dienstleistung und Wertschöpfung lässt sich auch im digitalen Zeitalter Geld verdienen. Sicher wird heute niemand mehr für die Überbringung von Nachrichten Geld bezahlen, wohl aber für deren qualitativ hochwertige Aufbereitung oder für fachliches Hintergrundwissen. Am Verkauf von Musikdateien Geld zu verdienen zu wollen ist sinnlos - zu inflationär ist die Ware Musik bereits im Netz verfügbar. Schneller Zugriff auf Musik- und Videodateien, in guter Qualität und mit freier Formatwahl ist dagegen immer noch Mangelware - ebenso wie intelligente Streaming-Lösungen. Pauschale Vergütungsmodelle, wie sie heute schon in Form der GEMA bestehen, wären eine unbürokratische Lösung.
Zu hoch waren die Gewinnmargen der Medien- und Contentindustrie in der Vergangenheit als dass ein Umdenken freiwillig erfolgen würde. Die Weitergabe von Wissen und Informationen war aber immer schon frei - ein Umstand, dem Diktaturen ebenso wenig entgegen stehen konnten wie technische Restriktionen. Die Gewinner dieser Entwicklung werden die innovativen Unternehmen sein.