Lohnt sich “Der Spiegel” als App?
Es ist soweit: nach der Bild und der Welt gibt es jetzt auch den Spiegel als elektonische Publikation für das iPhone zum downloaden. Kann das gut gehen?
Nach 4 Tagen Spiegel App würde ich sagen: es kann, auch wenn man es vielleicht nicht unbedingt braucht. Ich könnte natürlich das Heft lesen - auf dem Sofa, dem Klo oder in der S-Bahn - und das bequemer als mit dem iPhone. Das setzt aber voraus, dass ich vorher zum Kiosk gelaufen oder Abonnent bin - und gerade letzteres sehe ich im digitalen Zeitalter immer weniger ein.
Für mich als spontanen Konsumenten stellt die App ein Kaufanreiz dar. Oft ist man in der Situation, in denen man Zeit hätte den Spiegel zu lesen, aber das Heft nicht zur Hand hat. Und hier beginnt sich der Charme der App auf dem iPhone zu entfalten. Der Download vollzieht sich flott und unproblematisch, nach wenigen Sekunden hat man das aktuelle Heft auf dem iPhone - und das bereits am Samstag. Mein erster Download beinhaltete allerdings keine Bilder - laut (dem im übrigen sehr schnellen) Support ein Problem, das sich durch nochmaligen Download des Hefts beheben läßt.
Die Artikel sind speziell für das iPhone aufbereitet und lassen sich erstaunlich gut lesen. Die Schriftgröße läßt sich in 3 Größen anpassen. Es fehlt jedoch die Möglichkeit, die Schriftart zu ändern, beim Reader Stanza ist das möglich. Die Navigation ist einfach und übersichlich: über das iPhone-typische Wischen lassen sich die Seiten umblättern, das Antippen der Bildschirmmitte öffnet das Steuerungsmenü. Das Wischen empfinde ich als Manko, das Blättern über das Antippen des Bildschirms wie bei Stanza finde ich komfortabler. Gut gelöst ist die Anzeige der Fotostrecke mit den Bildunterschriften durch drehen den iPhones. Wünschenswert wäre auch eine Stichwortsuche über alle Artikel der auf dem iPhone geladenen Hefte.
Ein dicker Minuspunkt ist der Preis: in der Probephase kostet die digitale Ausgabe 2,99€, danach hätte man gerne 3,99€. Die Printausgabe kostet derzeit 3,80€. Ein digitales Produkt, das teurer ist als die Printausgabe läßt sich wohlwollend nur durch den Wegfall von Werbeeinnahmen erklären. Es zeigt das Dilemma auf, in dem sich das Verlagswesen befindet: die Preisgestaltung der derzeit auf dem Markt befindlichen Produkte verhindert eine rasche Akzeptanz des Mediums. Hier müssen die Verlage noch ihre Hausaufgaben machen und begreifen, dass der Content im Internet kostenlos ist. Mehrwert durch exclusive Artikel reicht nicht, er muss auch attraktiv erscheinen.
