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Facebook Places – engl. für “Ärger vorprogrammiert”

19 Aug
19. August 2010

Die eine Sau ist noch gar nicht vollständig durch alle Dörfer Deutschlands getrieben worden, schon begibt sich die nächste an den Start. Kaum hat Google dank Street View auch den letzten Hinterwäldler auf die bevorstehende digitale Urbarmachung seiner Umgebung aufmerksam gemacht, schon macht sich der nächste Netzgigant daran, an Ilse Aigners Nervenkostüm zu rütteln. Schneller als die durch Webdienste leidgeprüfte Verbraucherschutzministerin “Widerspruch” stammeln kann, geht Facebook mit seinem Dienst “Places” online.

Worum geht es?

Neben Schnippseln aus dem Netz, Links, Fotos oder Videos können Facebook-Nutzer in Zukunft auch ihr Interesse an Orten bekunden.

Wer also ein bestimmtes Restaurant, Geschäft oder Ausflugsziel besucht und dort mittels Smartphone “eincheckt” (mehr) liefert Facebook also die Information, an welchen Orten er sich gerne aufhält. Und Facebook wäre nicht Facebook, wenn nicht durch eine geschickte, natürlich standardmäßig aktive Einstellung auch gleich die Standorte der Freunde übermittelt werden könnten (wie man diese wieder ausschaltet: hier). Im Gegenzug erfährt man, welche Locations im Freundeskreis derzeit angesagt sind – also wieder einmal das umstrittene Prinzip Information im Austausch gegen persönliche Daten.

Kein Zweifel, Facebook meint es ernst. Den Pionieren und (bisherigen) Platzhirschen des Geo Taggings, Foursquare und Gowalla, wurde ein Angebot gemacht, das sie nicht ablehnen konnten: sie bekommen für ihre Dienste Zugriff auf das Facebook Places API – und erreichen damit auf einen Schlag 500 Millionen Nutzer. Trotzdem dürfte sich deren Jubel in Grenzen gehalten haben: im Gegenzug macht sich Facebook deren Datenbank mit Orten und deren Check-Ins zunutze – das Places Logo hat man von Foursquare der Einfachheit halber gleich mit übernommen. Faktisch dürfte es auf das Ende für diese Dienste hinauslaufen, da die meisten der 500 Millionen Nutzer weder Gowalla noch Foursquare jemals zu Gesicht bekommen werden.

Die aus “Location based services” gewonnenen Informationen wie Google Streetview oder Facebook Places sind extrem wertvoll: beispielsweise können Besucher von Schuhgeschäften oder italienischen Restaurants mit zielgerichteter Werbung versorgt werden. Waren Gowalla und Foursquare noch Dienste für verspielte Nerds, die sich durch fleißiges Anmelden an Orten rund um den Globus mit virtuellen Auszeichnungen behängen durften, wird Facebook die von seinen Nutzern übermittelten Informationen bald in klingende Münze umwandeln.

Im Augenblick ist Facebook Places nur in den USA verfügbar – die Datenbank mit Orten in Europa befindet sich noch im Aufbau. Das laute Echo aus Politik und Medien wird nach der Hysterie um Google Streetview nicht lange auf sich warten lassen.