Erik Schimmel Was raus muss, muss raus.

30Nov/100

Schlicht und einfach

Wochen des Faktenchecks liegen hinter uns und Bahnhofsflüsterer Heiner Geißler erntete währenddessen viel Lob von allen Beteiligten. Als Modell für zukünftige Großprojekte sollte die Schlichtung sogar dienen und ein neues Demokratieverständnis einläuten.

Nun ist er endlich gefallen, der Schlichterspruch und der als eher schlicht gehandelte Stefan Mappus hat seinen ersten Big Point eingefahren. Eben noch sollte er neben OB Schuster vom wütenden Mob geteert und gefedert werden, jetzt bekommt er sein Projekt sogar noch veredelt und mit einem Schleifchen versehen. Geißlers Wort hat Gewicht und der Schlichterspruch setzt genau bei den Kritikpunkten der Projektgegner an. Der Bahnhof soll ausgebaut und leistungsfähiger gemacht werden, die Bäume im Schloßgarten sollen verpflanzt und die frei werdenden Grundstücke sollen einer Stiftung zugeführt werden, um Grundstücksspekulation vorzubeugen. Ebenso wie der Volksentscheid ist damit das Konzept der Projektgegner vom Tisch.

Mappus ist das Risiko der Schlichtung eingegangen und hat gewonnen. Aufgrund der hohen Zustimmung zur Schlichtung seitens der Bevölkerung und der Beliebtheit Heiner Geißlers hat sich Mappus sozusagen die Legitimation des Volks durch die Hintertür erworben. Auch wenn die Proteste mit dem Ende der Schlichtung nicht aufhören werden, so wird am Ende niemand als Spielverderber dastehen wollen. Der große Graben ist wohl für's erste zugeschüttet.

Am Ende dürften sogar die Grünen mit dem Schlichterspruch zufrieden sein: er läßt ihnen die Möglichkeit, sich im kommenden Wahlkampf weiter gegen Stuttgart 21 zu positionieren. Es wäre für mich keine große Überraschung, wenn das Projekt auch im Falle eines Regierungswechsels unter Hinweis auf die bis dahin noch höheren Ausstiegskosten fortgeführt werden würde. Politik ist, wenn man trotzdem lacht.

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18Nov/100

Google Streetview oder: ich sehe was, was du nicht siehst

Was war das für ein Sommerloch 2010. Wir erinnern uns: ein Sturm der Entrüstung brauste durch das Land und entzweite die Nation an der Frage, ob Hausansichten, die analog sichtbar sind, auch digital sichtbar sein dürfen.

Google StreetviewSie dürfen, sofern man nicht sein Veto dagegen eingelegt hat. Seit heute kann man das Ergebnis auch endlich bewundern, Google hat die Straßenansichten von 20 Städten online gestellt. So kann man sich durch die meist sommerlichen Straßen Berlins, Bielefelds (sic!), Stuttgarts oder Münchens klicken bis man auf eine Nebelbank trifft - eine Hausfassade, die Google auf Wunsch des Besitzers, Mieters oder eines Scherzkekses verpixelt grau darstellt. Das ist aber kein Grund zum ärgern, denn über den Bilderdienst Panoramio läßt sich das verpixelte Haus dennoch darstellen.

Dieses Beispiel zeigt, dass das hervorragend funktioniert: ist für eine verpixelte Hausfassade ein Panoramio-Bild verfügbar, wird ein Thumbnail eingeblendet. Bei Klick auf das Thumbnail wird wie auf einem Panoramafoto das Panoramio-Bild in die Streetview-Ansicht integriert.

Anscheinend wurde diese Hintertür von Google bewußt offen gehalten. Es ist also damit zu rechnen, dass die noch verpixelten Häuser bald "nachgereicht" werden. Die Panoramio-App ist kostenlos auch für das iPhone verfügbar (iTunes-Link).

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