Formspring
Heute bin nach längerem Zögern Formspring beigetreten. Ja ich weiß… kann man machen, muß man aber nicht. Als ich gelesen habe, was so um mich rum an Fragen gestellt werden, fand ich’s dann aber doch recht interessant. Man stellt und beantwortet willkürliche Fragen, die aber durchaus Tiefgang haben können. Eine dieser Fragen, die mir plötzlich in den Sinn kam war:
“Wie bist du zu deinem heutigen Beruf gekommen?”
Bei mir war das eine Geschichte, die mich geprägt hat. Bevor ihr mich’s via Formspring fragt, hier ist sie.
Als junger Schnösel mit Anfang 20 sieht man die Dinge… naja, sagen wir mal: stark vereinfacht. Mir stand damals die Welt offen: Ausbildung beendet, Bundeswehr beendet – es konnte losgehen. Ich arbeitete 1989 in einem Rechenzentrum in München und blickte voller Neid auf die Kollegen im Vertrieb, die damals die ersten portablen Computer (wer kennt noch den Compaq SLT, mit 286er CPU und abnehmbarer Tastatur), schöne Firmenwägen (5er BMW, natürlich), noch schönere Vertriebsassistentinnen und immer wichtige Dinge zu tun hatten. Klar, da wollte ich hin. Schaffte ich auch.
Man schickte mich in ein Vertriebstraining von Compaq und so erlebte ich den Mauerfall und das Attentat auf Deutsche Bank Chef Alfred Herrhausen vor dem Fernseher in einem Tagungshotel im sonnigen Rotenburg an der Fulda. Nach mehreren Wochen Training war es dann soweit. Ich tauschte Jeans und Sweat-Shirt gegen den dunklen Anzug und war von der großen Karriere faktisch nur durch Suizid zu trennen. Zu unseren Kunden gehörten die großen Konzerne in und um München und ich freute mich darauf, einen auf dicke Hose zu machen, Computer zu präsentieren und das im Training gelernte anzuwenden.
Mein Chef hatte damals allerdings andere Pläne. Nicht Präsentation und dicke Hose, sondern Neuakquise in einem angrenzenden Gewerbegebiet im Westend. Ich hatte das Gefühl, von einem D-Zug überrollt zu werden. Bei dem Gedanken an das Klinken putzen bekam ich einen Kloß im Hals. So hatte ich mir das überhaupt nicht vorgestellt. Und so kam es zu der Entscheidung, der ich meinen heutigen Beruf zu verdanken habe.
Ich fuhr nicht ins Gewerbegebiet. Ich fuhr nach Hause, machte mir einen Kaffee, setzte mich in die Küche und mit meinem Leben auseinander. Im Radio lief “In Dreams” von Pete Bardens. Werde ich nie vergessen. Als ich nachmittags ins Büro zurück kam, wußte ich, dass ich den falschen Beruf hatte. Ich wollte beraten, unterstützen, konsultiert werden. Nicht verkaufen. Und so wurde aus dem Verkäufer ein Supporter und Dozent und wiederum später ein Berater und Softwareentwickler – der Beruf, den ich heute ausübe.
Lieber Herr Henning, lieber Herr Grybas: vielen Dank. Ich habe Ihnen viel zu verdanken.
Und was habt ihr noch für Fragen?

