Archiv für Monat:Januar, 2011

Formspring

25 Jan
25. Januar 2011

Heute bin nach längerem Zögern Formspring beigetreten. Ja ich weiß… kann man machen, muß man aber nicht. Als ich gelesen habe, was so um mich rum an Fragen gestellt werden, fand ich’s dann aber doch recht interessant. Man stellt und beantwortet willkürliche Fragen, die aber durchaus Tiefgang haben können. Eine dieser Fragen, die mir plötzlich in den Sinn kam war:

“Wie bist du zu deinem heutigen Beruf gekommen?”

Bei mir war das eine Geschichte, die mich geprägt hat. Bevor ihr mich’s via Formspring fragt, hier ist sie.

Als junger Schnösel mit Anfang 20 sieht man die Dinge… naja, sagen wir mal: stark vereinfacht. Mir stand damals die Welt offen: Ausbildung beendet, Bundeswehr beendet – es konnte losgehen. Ich arbeitete 1989 in einem Rechenzentrum in München und blickte voller Neid auf die Kollegen im Vertrieb, die damals die ersten portablen Computer (wer kennt noch den Compaq SLT, mit 286er CPU und abnehmbarer Tastatur), schöne Firmenwägen (5er BMW, natürlich), noch schönere Vertriebsassistentinnen und immer wichtige Dinge zu tun hatten. Klar, da wollte ich hin. Schaffte ich auch.

Man schickte mich in ein Vertriebstraining von Compaq und so erlebte ich den Mauerfall und das Attentat auf Deutsche Bank Chef Alfred Herrhausen vor dem Fernseher in einem Tagungshotel im sonnigen Rotenburg an der Fulda. Nach mehreren Wochen Training war es dann soweit. Ich tauschte Jeans und Sweat-Shirt gegen den dunklen Anzug und war von der großen Karriere faktisch nur durch Suizid zu trennen. Zu unseren Kunden gehörten die großen Konzerne in und um München und ich freute mich darauf, einen auf dicke Hose zu machen, Computer zu präsentieren und das im Training gelernte anzuwenden.

Mein Chef hatte damals allerdings andere Pläne. Nicht Präsentation und dicke Hose, sondern Neuakquise in einem angrenzenden Gewerbegebiet im Westend. Ich hatte das Gefühl, von einem D-Zug überrollt zu werden. Bei dem Gedanken an das Klinken putzen bekam ich einen Kloß im Hals. So hatte ich mir das überhaupt nicht vorgestellt. Und so kam es zu der Entscheidung, der ich meinen heutigen Beruf zu verdanken habe.

Ich fuhr nicht ins Gewerbegebiet. Ich fuhr nach Hause, machte mir einen Kaffee, setzte mich in die Küche und mit meinem Leben auseinander. Im Radio lief “In Dreams” von Pete Bardens. Werde ich nie vergessen. Als ich nachmittags ins Büro zurück kam, wußte ich, dass ich den falschen Beruf hatte. Ich wollte beraten, unterstützen, konsultiert werden. Nicht verkaufen. Und so wurde aus dem Verkäufer ein Supporter und Dozent und wiederum später ein Berater und Softwareentwickler – der Beruf, den ich heute ausübe.

Lieber Herr Henning, lieber Herr Grybas: vielen Dank. Ich habe Ihnen viel zu verdanken.

Und was habt ihr noch für Fragen?

Flatrate-Bullshit

18 Jan
18. Januar 2011

Eine Steuer- oder Beitragserhöhung ist eine “Reform”, der Autohändler oder Versicherungsvertreter mutiert zum “Partner”, der Rabatt wird zum “Preisvorteil”. Ohne Zweifel, Wörter können einlullen und herrlich positive Werte transportieren. Ein anderes, vielstrapaziertes Marketing-Bullshit-Wort ist die “Flatrate”.

Egal, ob in der Form von “All you can eat”, “All Inclusive” oder “Telefon-Flat” – man soll als Verbraucher stets das Gefühl vermittelt bekommen, ein Schnäppchen zu machen.

Tatsächlich? Man kann auch an das Land, in dem Milch und Honig fließt glauben.

In den grauen Vorzeiten der Telefontarife gab es tatsächlich noch sowas wie transparente Preise. Damals, als sich der Text in hellgrauer Schrift auf weißem Grund in Fußnotengröße noch in Zeilen und nicht in Seiten messen ließ, konnte man Tarife tatsächlich noch miteinander vergleichen. Eine Gesprächsminute war eine Gesprächsminute und eine SMS eine SMS. Ein Zustand, der für die Telefongesellschaften unmöglich haltbar war – ermöglichte das doch jedem, der die vier Grundrechenarten beherrschte, Angebote miteinander vergleichen zu können. Und so führte man ein Inklusivangebot nach dem anderen ein, vom kostenlosen Telefonieren an Wochenenden und Feiertagen, über kostenloses Telefonieren in das gleiche Netz bis hin zu SMS-, Minuten- und Datenpaketen. Und ein Telefon gibt’s auch noch oben drauf – mit 2 Jahresvertrag, versteht sich. Wichtig ist dem Kunden zu vermitteln, dass alles einfacher und billiger wird, obwohl der Tarif in Wahrheit komplexer und teurer geworden ist.

Nun weiß jeder: eine Leitung ist eine Leitung und das Datenpaket, das Sprache oder Text transportiert kostet etwas, ob man es nun tagsüber, abends, am Wochenende oder Feiertags absondert. Irgendjemand muss es bezahlen. Die Frage ist, ob man es nach dem Motto “nimm dir was du brauchst” bezahlt, oder ob man tatsächlich nur die Leistung bezahlt, die man nutzt.

Das “Nimm dir was du brauchst”-Prinzip funktioniert so: Ich habe für mein iPhone den Tarif “Complete L, 1. Generation” zum Preis von 69,00€ von der Telekom. Darin enthalten: 200 Gesprächsminuten, 150 SMS sowie eine “Datenflatrate”, von der man aber nur 1 GB vernünftig nutzen kann, weil danach die Bandbreite auf 90er-Jahre-ISDN-Tempo gedrosselt und das iPhone damit praktisch unbrauchbar wird – zumindest was den Bereich Internet angeht.

Was kosten die einzelnen Pakete? Hier der Prepaid-Tarif von Congstar. Gleiches Netz, Telekom-Tochter, Stand: 1/2011.

Preis für 200 Minuten: 200 x 0,09€ = 18€
Preis für 150 SMS: 150 x 0,09€ = 13,50€
Preis für 1 GB Daten: 1024 x 0,005€ = 5,12€.

Congstar bietet pro Tag 500 MB zum Preis von 2,49€ an, was den kalkulatorischen halben Cent pro Megabyte ergibt. Nach 500 MB drosselt Congstar ebenfalls auf 64 KBit/s im Download und 16 KBit/s im Upload.

Macht in Summe: 36,62€. Die verbleibenden 32,38€, also fast 50%, sind der monatliche Preis für die theoretische Möglichkeit, eine Datenflatrate im Schneckentempo zu nutzen.

Noch ungünstiger wird es wenn ich bedenke, dass ich niemals 150 SMS versende sondern im Höchstfall 5-10 (wir schreiben das Jahr 2011, nicht 1998). Außerdem vertelefoniere ich keine 200 Minuten, in der Regel sind es eher um die 60 Minuten. Klar, ich könnte in einen Tarif mit weniger Gesprächsminuten und SMS wechseln – dann wird mein iPhone aber schon nach 300 MB unbrauchbar. Selbstverständlich läßt sich mein Tarif jederzeit nach oben anpassen, sollten sich meine Nutzungsgewohnheiten ändern – aber nicht nach unten. Nicht verbrauchte Gesprächsminuten, SMS oder Datenvolumen verfallen am Ende des Monats. Bin ich der einzige, der sich bei sowas irgendwie verschaukelt fühlt?

Natürlich lassen sich die Congstar-Tarife nicht kombinieren und für Smartphones anwenden. Andere Telefongesellschaften halten das im Prinzip ähnlich. Sie machen ein gutes Geschäft mit Pauschalangeboten, die meistens nicht zu den Nutzungsgewohnheiten der Kunden passen und die sie daher nicht ausnutzen. Die Mehrpreise für Gesprächsminuten und SMS über dem Paketvolumen bzw. die Einschränkungen beim Datenvolumen sind dabei so massiv, dass man sich lieber am größeren Angebot orientiert. In meinem Fall: 0,25€ pro zusätzlicher Gesprächsminute bzw. 0,17€ pro zusätzlicher SMS.

Flatrates passen zur “Geiz ist geil”-Mentalität von Otto Normalverbraucher. Die scheinbare Möglichkeit, eine Leistung pauschal in Anspruch nehmen zu können, läßt offenbar jede objektive Betrachtungsweise in den Hintergrund treten.

Ich möchte mein Telefon gerne dort kaufen, wo es am günstigsten ist und mir einen Tarif aussuchen können, der zu mir passt. Ich möchte bezahlen, was ich verbrauche. Nicht flat, sondern smart.

The Mac App Store Sucks – Does It?

07 Jan
7. Januar 2011

Der Mac App Store ist online und die Erfolgsgeschichte scheint sich fortzusetzen: 1 Million Downloads am ersten Tag sprechen eine deutliche Sprache. Alles eitel Sonnenschein? Nicht ganz, wenn es nach der Website Lifehacker (“Why the Mac App Store Sucks“) geht: keine Demo- bzw. Testsoftware, schlechterer Support, Restriktionen durch Apple oder die Tatsache, dass viele Anwendungen doppelt erworben werden müssen – die Australier geben dem App Store schlechte Noten.

Ich kann die Argumente nicht nachvollziehen. Aber der Reihe nach.

Der App Store – das Ende der Selbstbestimmung auf dem Mac?

Unsinn. Der App Store ist ein zusätzlicher Vertriebsweg für Software – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Der Entwickler erhält 70% der Erlöse, 30% behält Apple. Das erscheint viel, ist aber vor allem für kleinere Softwarefirmen vorteilhaft, die sich nicht um den Vertrieb inklusive Payment Processing kümmern müssen. Darüber hinaus profitieren die Hersteller von der Tatsache, dass sich kleine billige Programme sehr gut im App Store verkaufen. Spiele wie Doodle Jump erzielen dadurch trotz lächerlich niedriger Preise innerhalb weniger Tage Riesenumsätze. Der herkömmliche Weg des Vertriebs und der Installation auf dem Mac ist aber nach wie vor möglich. Es ist auch nicht zu erwarten, dass sich das ändert, zumal Installationspakete, die administrative Rechte auf dem Rechner verlangen, nicht über den App Store angeboten werden können. Auch Schwergewichte wie Microsoft oder Adobe werden ihre Software nicht im App Store anbieten und Apple an ihren Umsätzen teilhaben lassen.

Keine Demo- oder Testsoftware?

Schlicht falsch. Der App Store für iOS-Geräte hat schon immer Lite- oder eingeschränkte Gratis-Versionen angeboten. So kann Software getestet werden und die Vollversion getrennt oder zusätzliche Funktionen über In-App-Purchases nachträglich erworben werden. Es liegt an den Softwarefirmen, entsprechende Apps zu entwickeln.

Restriktionen von Apple

Kontrovers. Richtig ist: was Apple nicht mag, wird abgelehnt. Das Gros der Software, das Apple ablehnt ist aber tatsächlich qualitativ minderwertiger Ramsch. Es ist ein schmaler Grat, den Apple hier beschreitet. Ist man zu rigoros, handelt man sich negative Presse ein, ist man zu lax, leidet der Ruf des App Store, was am Ende dazu führt, dass die Anwender einen Bogen um ihn machen. Im Grunde hat aber der Betreiber eines jeden Ladens das Recht zu entscheiden, was er in sein Sortiment aufnimmt und was nicht. Google macht das, Amazon macht das – warum soll Apple das nicht tun? Im App Store für iOS-Geräte habe ich mich noch nie davon eingeschränkt gefühlt, dass Furz-Apps, Billig-Ebooks oder ähnlicher Schrott über kurz oder lang rausgeflogen ist. Das Niveau der Anwendungen ist seit dem Start des App Stores konstant besser geworden und Apple hat das Zulassungsverfahren mittlerweile transparenter gemacht. Wer trotzdem durch’s Raster fällt, dem bleibt immer noch der herkömmliche Weg der Installation am App Store vorbei.

Kein Update möglich – Anwendungen müssen u.U. doppelt erworben werden.

Tatsache ist: es gibt (im Moment) noch keine kostenpflichtigen Updates im App Store. Richtig ist auch, dass Anwendungen, die außerhalb des App Stores erworben wurden nicht über den App Store aktualisiert werden können, da es sich um unterschiedliche Lizenzen handelt. So kann es z.B. sein, dass eine Anwendung als “installiert” im App Store angezeigt wird, aber dennoch manuell über die Website aktualisiert werden muss. Hier besteht noch Aufklärungsbedarf bzw. es fehlt die Möglichkeit für Hersteller, eine Lizenz auf eine Anwendung im App Store zu übertragen. Eine Lösung wäre auch, Gutschein-Codes für bereits erworbene Lizenzen auszugeben, um so den Re-Download aus dem App Store zu subventionieren.

Grundsätzlich muß ein Hersteller zukünftig die Entscheidung fällen, ob er seine Software über den App Store vertreiben will oder nicht. Der Vorteil der einfachen und schnellen Installation liegt auf der Hand: im App Store anmelden und ein Mausklick später befindet sich die gewünschte App im Dock. Das Preisniveau im App Store ist aber i.d.R. niedriger, auch Apple bietet seine Produkte deutlich billiger an. Je nach App fördert das aber auch Impulskäufe. Dazu kommt, dass die Apps auf Rechnern im privaten Umfeld genutzt werden können – eine kulante Regelung. Ob man nun den Preis eines Updates bezahlt oder eine deutlich billigere Vollversion mehrmals erwirbt, ist meiner Meinung nach lediglich eine Frage der Etikettierung.

Schlechter Support

Auch das halte ich für Blödsinn, das Gegenteil dürfte der Fall sein. Durch die Möglichkeit der Kunden, die Anwendung und den Hersteller im App Store zu bewerten dürften diese motiviert genug sein, ihre Kunden bei Problemen nicht im Regen stehen zu lassen.

Man kann darüber streiten, ob man den App Store braucht oder nicht. Im Grunde wird im App-Store nur das kommerziell umgesetzt, was man auf Linux-basierten Rechnern schon lange als Paket-basierte Installation kennt – und was dort einfach, schnell und sauber funktioniert. Das sieht auch Peter Vesterbacka vom Entwickler Rovio (“Angry Birds”) so: “Apples App Store wird die Nummer eins bleiben. Mit dem Verkauf von kostenpflichtigen Apps über Android war bislang niemand erfolgreich”.