Archiv für Monat:März, 2011

Das Dick Bar-Dilemma

07 Mrz
7. März 2011

Seit dem 3. März ist Schluß mit lustig: mit der Version 3.3 führt Twitter Werbung auf den iOS-Clients ein und geht damit den Usern massiv auf die Nerven. Ein Update ist bereits im App Store eingereicht, ausschalten lassen wird sich das unbeliebte Feature aber wohl nicht.

Twitter submitted an update to Apple yesterday for our iPhone app. It fixes some bugs & makes it so the quickbar doesn't overlay on Tweets

Die “Dick Bar”, benannt nach Twitter-Chef Dick Costolo, überlagert die Timeline mit einem aufdringlichen schwarzen Balken, der neben den “trending Topics” auch Werbetweets einblendet.

Wirklich überraschend kam das nicht. Mit einem kostenlosen Dienst und kostenlosen Clients läßt sich nun mal kein Geld verdienen. Früher oder später war also mit Werbung in der einen oder anderen Form zu rechnen. Dass man das neue “Feature” dann aber in einer so Twitter-untypischen Art, quasi mit der Dachlatte eingeführt hat erklärt den Unmut, der Twitter gerade in Form von zahllosen Beschwerden begegnet. Window-Dressing für einen Käufer?

Wer nicht auf das Twitter-Update warten und hoffen will, hat genug Alternativen, die lästige Quick Bar wieder loszuwerden. Der einfachste Weg ist sicher der Umstieg auf einen alternativen Twitter-Client wie z.B. Tweetings oder Osfoora. Der Restore auf die Vorgängerversion oder die Jailbreak-Lösung Twizzler lassen immerhin das Hintertürchen zum gewohnten Twitter for iPhone offen.

Eines haben alle diese Lösungen gemeinsam: sie sind nicht nachhaltig. Ebenso wie Twitter gerade im Begriff ist die Vielzahl von URL-Shortenern auszumerzen, könnte man früher oder später auch gegen alternative Twitter-Clients vorgehen, sollten diese das neue Werbemodell gefährden. Denkbar wäre z.B. eine im Funktionsumfang reduzierte oder zeitversetzte API.

So schade es ist: die Zeiten des kostenlosen Twitterns sind vorbei, ab sofort werden wir mit unserer Aufmerksamkeit bezahlen müssen.

Närrische Tage beim FC Bayern

06 Mrz
6. März 2011

Zwei Persönlichkeiten beschäftigen derzeit den FC Bayern. Der eine ist noch gar nicht da, der andere vermutlich bald nicht mehr: Manuel Neuer und Louis van Gaal.

“Koan Neuer” war auf den Transparenten der Ultras beim Pokalhalbfinale gegen Schalke zu lesen, eine Aktion, für die sich der Vorstand postwendend bei Neuer entschuldigt hat. Ich halte diese Forderung in etwa so sinnvoll wie die der Giesinger Fußballfans nach der Rückkehr der Löwen ins Grünwalder Stadion. Natürlich sind die Torhüter des FC Bayern traditionell stark mit dem Verein verwurzelt gewesen. Meier, Pfaff, Aumann oder Kahn – sie alle repräsentierten und prägten den FC Bayern. So wie Neuer den FC Schalke 04. Man kann Schalke mögen oder nicht, aber ein Grund Neuer deshalb nicht zu verpflichten weil er ein Königsblauer ist, ist das nicht. Neuer wird Schalke verlassen, weil er als Nationalspieler nach besseren Perspektiven Ausschau hält. Bei ihm steht die Beletage des internationalen Fußballs Schlange. Nicht wenigstens zu versuchen, einen solchen Spieler nach München zu holen wäre ein Fehler. Fußballspieler sind heute in erster Linie Profis und keine Folkloreartikel. Manuel Neuer wird auch beim FC Bayern gute Leistungen zeigen, so wie z.B. Thomas Linke (ebenfalls Schalker) oder Jens Jeremies, den man von 1860 geholt hat.

Vom Vorstand derzeit weniger nachgefragt als Manuel Neuer ist nach der dritten Pflichtspielpleite in einer Woche Problembär Louis van Gaal. Nachdem er von Uli Hoeness bereits im Herbst sturmreif geschossen wurde, lassen ihm die gestrigen Worte des Präsidenten man müsse jetzt “handeln, nicht reden” nur wenig Hoffnung auf einen Verbleib in München. Für Hoeness hat der Traum, mit Bayern im Champions League Finale 2012 in München zu stehen, oberste Priorität.

Van Gaal polarisiert, aber er hat den FC Bayern deutlich weiter gebracht als seine Vorgänger. Badstuber, Müller oder Kraft – seine Ideen. Die Trennung von Demichelis – überfällig, vor allem wenn man an das Champions League Finale in Madrid denkt. Auch scheint die Mannschaft hinter ihm zu stehen, was Magath und Klinsmann nicht für sich reklamieren konnten.

Sein Problem ist sicher, dass nach der außergewöhnlichen letzten Saison die Erwartungshaltung in München riesengroß war. Vom Gewinn der Champions League und einer neuen Ära war die Rede. So ließ er sein Erfolgssystem zu lange unverändert, obwohl ihm dessen Motor, Arjen Robben, nicht zur Verfügung stand. Das Hauptproblem in dieser Saison, nämlich die desolate Hintermannschaft, kann man van Gaal aber nicht alleine anlasten. Pranjic und Breno sind nicht Bayern-tauglich. Badstuber und Lahm können nicht an ihre Form des letzten Jahres anknüpfen, Gustavo erweist sich ebenfalls nicht als die Lösung für die linke Abwehrseite. Und Ribery? Der Franzose scheint es sich in seinem 5-Jahresvertrag bequem eingerichtet zu haben.

Als Nachfolger für van Gaal werden Sammer und Rangnick gehandelt. Letzteren halte ich für unwahrscheinlich, da völlig inkompatibel zu Uli Hoeness. Sammer lebt in München und wäre sicher kurzfristig vom DFB loszueisen. Im Erfolgsfall könnte er im Sommer einen Vertrag bekommen und einkaufen gehen. Auf dem Einkaufszettel dürften neben Manuel Neuer und Mats Hummels sicher noch ein weiterer Innenverteidiger und ein Linksverteidiger stehen.

Ich würde mir wünschen, dass man mit van Gaal weiter macht und nach der Saison resümiert. Man darf gespannt sein, wie der Kehraus beim FC Bayern aussieht.

Das neue iPad – Referenzbrett in Runde 2

03 Mrz
3. März 2011

Ab dem 25.3. gibt es also endlich das iPad 2 zu kaufen. Etwas leichter, schneller, bessere Grafik, 2 Kameras und ein Gyrosensor, von dem keiner so recht weiß, was das ist – geschweige denn, wie er funktioniert. Viel Neues gab es bei der Keynote nicht, sieht man vom überraschenden Auftritt von Steve Jobs ab. Braucht man also unbedingt ein iPad 2?

Apple hat sich eine wohl dosierte Weiterentwicklung ihres Bestsellers verordnet und kann sich das auch leisten. Genau genommen wäre es vermutlich unklug, wenn sie ihr gesamtes Pulver verschießen würden solange der Tablet-Markt noch stark am Wachsen ist und die Konkurrenz noch hastig versucht, zumindest zum 1st Generation iPad aufzuschließen. Apple wird die Taiwan-Tablets wohl noch eine Weile vor sich hertreiben.

Der Grund dafür ist einfach: wie bei den Macs und beim iPhone liefert Apple Gerät und Betriebssystem aus einer Hand. So lassen sich Geräte herstellen, deren Funktionen optimal aufeinander abgestimmt sind. Die passenden Anwendungsfälle liefern sie üblicherweise gleich mit – und dieses Konzept funktioniert.

Nehmen wir mal den Gyrosensor. Mit diesem Sensor lassen sich Geräte bauen, die auf alle Lageänderungen reagieren. Hört sich unspektakulär an, ist unspektakulär, wird aber z.B. für Steuerungen oder AR (augmented Reality) Anwendungen benötigt, für die der Kompass zu träge oder herkömmliche Lagesensoren nicht ausreichend wären. In Garage Band nützt Apple diese Sensoren, um anhand der Erschütterung des Geräts zu ermitteln, wie heftig eine Taste auf dem Klavier gedrückt wurde und den Ton entsprechend anzupassen.

Dieses perfekte Zusammenspiel zwischen Hard- und Software fehlt den auf Android-basierten Geräten über weite Strecken. Die Xooms und Galaxies sind eigentlich solide Geräte von den üblichen Verdächtigen, die aber keine Ahnung von Software oder Benutzeroberflächen haben. Und auf der anderen Seite ist Google eben eine geniale Softwareschmiede, der aber die Hardware fremd ist. Android erinnert ein wenig an Windows, das zwar viel kann, aber die Innovation und die Liebe zum Detail vermissen läßt – und das nicht nur wegen der Vista-ähnlichen Widgets, die auf den Android-Tablets doch etwas spröde wirken.

Das iPad 2 kommt ohne den Überraschungseffekt seines Vorgängers daher. Es wird aber zweifellos neue und qualitativ hochwertige Anwendungen hervorbringen, die Spaß machen und das Gerät ausreizen. Anwendungen verkaufen Geräte, nicht Megahertz oder Megapixel. Dazu kommen die Cloud-basierten Features, die Apple wohl mit dem iPhone 5 vorstellen wird. Pfiffig und Apple-typisch sind die magnetischen Smart Covers, die sowohl als Schutzhülle als auch als Geräteständer fungieren. Apple-Fanboys werden den Kauf sicher nicht bereuen, viele Unentschlossene machen mit dem Gerät ebenfalls nichts falsch. Für den Rest bleibt ja Android auf austauschbarer Hardware – mit USB-Port selbstverständlich.