Tag am Meer
Ein Tag beginnt für viele von uns gleich und endet doch für manche gravierend anders. Der 18. Juni 2011 begann für mich um 7:30. Nach dem Aufstehen habe ich meine Laufsachen angezogen und bin von unserem Hotel aus am Strand entlang gelaufen. Für einen anderen Urlauber im Nachbarhotel muß der Tag ähnlich begonnen haben, unsere Wege haben sich sogar kurz gekreuzt. Während ich allerdings um ca. 9:00 Uhr zurück ins Hotel gelaufen bin, haben sich eine handvoll Rettungskräfte darum bemüht, den Mann zurück ins Leben zu holen.
Was war passiert?
Nachdem ich den anderen Läufer und seine Frau kurz am Strand gesehen habe, bin ich noch etwa einen Kilometer weiter gelaufen und dann umgekehrt. Auf dem Rückweg Richtung Hotel sah ich ihn dann im Sand liegen, umringt von einigen Urlaubern, die ihm eine Herzmassage gaben. Seine Frau stand in Schockstarre daneben. Eine Frau fragte mich, ob ich ein Handy hätte. Hatte ich nicht. Ich bot an, Hilfe zu holen – die vermutlich längsten Minuten meines Lebens begannen. Ich lief quer über den Strand, über eine Straße, vorbei an einem Hotelkomplex dessen Eingang allerdings auf der mir abgewandten Seite gewesen sein muß, in einen Supermarkt. 5 Minuten.
In dem Supermarkt arbeite eine Kassiererin, für die es offensichtlich völlig normal zu sein schien, dass morgens Menschen in den Laden stürmen, die “Emergency”, “Telephone” und “Ambulance” rufen. Zumindest schien sie das nicht aus der Ruhe zu bringen. Ich lief in den nächsten Gang und brüllte einen anderen Mitarbeiter an, der mit dem Einräumen der Regale beschäftigt war. Der reagierte aber und wies seine schlafmützige Kollegin an, den Notarzt anzurufen. Nochmal 5 Minuten.
Zurück mit dem Regaleinräumer an den Strand. Polizei und Notarzt waren mittlerweile eingetroffen, der kollabierte Strandläufer erhielt immer noch Herzmassagen. Es müssen 15-20 Minuten vergangen sein, als der Notarzt dem Mann den Defibrilator auf die Brust setzte und seine Assistentin die Adrenalinspritze aufzog.
Ich fand es sinnlos zuzusehen, wie Menschen um das Leben eines anderen kämpfen, ohne selbst etwas tun zu können und bin ins Hotel zurück gelaufen.
Nachdenklich. Und natürlich hat mich das Ereignis auch später im Hotel nicht losgelassen.
Umso mehr hat mich gefreut, dass der Mann es überlebt hat. Er muß eine Armee Schutzengel gehabt haben.

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