Veggie Day

06 Aug
6. August 2013

Als ehemaliger Schüler eines katholischen Internats in Bayern war ich Veggie Days gewöhnt: freitags gab’s grundsätzlich kein Fleisch. Naja, fast: Fisch gab’s auch (meist paniert, mit einer ekligen Remouladenpampe aus dem Eimer) und der zählt ja nicht zum Gemüse. Wegen dieser Regelung esse ich heute aus Trotz an jedem Karfreitag Fleisch. Warum? Weil die Regel religiös begründet, dogmatisch und völlig sinnlos war.

Derzeit ernähren sich in Deutschland ca. 10% vegetarisch. Den einen schmeckt Fleisch einfach nicht, den anderen geht es um Tierschutz, Nachhaltigkeit oder ähnliche, ideologisch motivierte Gründe. Genau das ist auch das Problem an Renate Künasts Vorschlag, an einem Tag der Woche einen fleischfreien Tag in Deutschlands Kantinen einzuführen: er ist ideologisch motiviert, dogmatisch und dient vermutlich nur dazu, den in der Sommerhitze vor sich hindümpelnden Wahlkampf etwas auf Touren zu bringen.

Der Veggie Day ist beispielhaft für ideologische Weltanschauungen. Es geht nicht darum, dass es prinzipiell sinnvoll wäre, die industrielle Produktion von Nahrungsmitteln zu diskutieren und zu einer nachhaltigeren Lebensweise zu finden. Bei der ganzen Aufregung geht es vielmehr darum, welche Lebensweise die richtige ist und diese nach Kräften zu verteidigen. Einem Fleischliebhaber einen fleischlosen Tag vorschreiben zu wollen ist genauso unsinnig, wie die Lebensweise von Vegetarierinnen und Veganerinnen zu kritisierern.

Schade, das Thema hätte durchaus Potential gehabt. Leider hat Frau Künast den falschen Weg gewählt, um die Diskussion um gesunde Nahrungsmittel in Gang zu bringen.

4 Antworten
  1. J says:

    /signed.

  2. Dentaku says:

    Grundsätzliche Zustimmung, aber den “Weg […] um die Diskussion um gesunde Nahrungsmittel in Gang zu bringen” scheint nicht Frau Künast gewählt zu haben sondern die Bildzeitung.

  3. Maximilian Renz says:

    Kann ich nur zustimmen. Gerade wer sich etwas um seinen Körper kümmert hat mehr als nur Fleisch auf dem Speiseplan. Ich selber esse vielleicht 1-2 mal in der Woche Fleisch.

    Allerdings wäre ich bei der Diskussion auch etwas vorsichtiger, wie +DENTAKU richtig angemerkt hat ist das kein neues Thema!

  4. Stefan says:

    Ich sehe das genau anders herum und fände einen komplett fleischlosen Tag in Kantinen als guten Weg, einmal über Massentierhaltung, die Ausmaße des Fleischskonsums etc. zu informieren und nachzudenken. Den Grünen dabei Ideologie zu unterstellen, finde ich nicht nachvollziehbar. Die Grünen haben ja nicht vorgeschlagen, die Kantinen sollten gar kein Fleisch mehr verkaufen, nur an einem Tag eben halt mal keines. Vielmehr scheint gerade die BILD, die diesen Vorschlag aus dem Wahlprogramm der Grünen nun hervor gezaubert hat, ideologisch und kompromisslos dagegen vorzugehen – “Grüne wollen uns das Fleisch verbieten” lautete die Schlagzeile und sie ist einfach nur falsch.
    Das Thema hat meiner Meinung nach wirklich Potential, da stimme ich Dir zu. dass Renate Künast einen falschen Weg gewählt hätte, kann ich nicht erkennen, sie hat nämlich eigentlich gar nichts gemacht (siehe hierzu z.B. den von Dentaku verlinkten Artikel)

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