Frankfurt Marathon

28 Okt
28. Oktober 2013

tl;dr: 7105 Tage nach meinem letzten Marathon (München 1994) und 2 Wochen nach dem verpatzten Start in München klappte es gestern: ich war beim Frankfurt Marathon am Start.

Frankfurt Messe

Messe Frankfurt

Da es seit ewig langer Zeit mein erster Marathon und der Respekt vor der Distanz entsprechend groß war, hatte ich 3:44:59 als Zielzeit angegeben. Das entspricht in etwa einer Pace um 5:20, die ich an guten Tagen in hügeligem Gelände in meinen langen Trainingsrunden gelaufen bin. Ich ging an den Start, stand direkt beim 3:44-Paceläufer und lief los. Es war das letzte mal, dass ihn gesehen habe.

Es fällt mir unheimlich schwer, ein vorgegebenes Tempo zu halten. Nach 2-3 Kilometern merke ich, wie mein Körper tickt, was er abrufen möchte und diesen Rhythmus halte ich dann. Gestern zeigte die Uhr eine Pace von 4:57 an, viel zu schnell also. Ich nahm Tempo raus, sah nach 2 Kilometern wieder auf die Uhr – wieder 4:57.

Nach 5 Kilometern die erste Verpflegungsstation. Die Blase meldete sich, was mir sonst im Rennen nicht passiert. Egal, ab ins Dixi an der Strecke, ich hatte ja Zeit. Danach lief es noch besser. Kilometer 10, die Pace immer noch bei 4:57. Alles locker. Regen setzte ein und lieferte Erfrischung. Bei Kilometer 15 dann die 2. Pinkelpause, wieder eine Minute verschenkt, aber die hatte ich ja schon locker reingelaufen. Kein Problem für das Zeitziel. Kilometer 20. Kein Regen mehr, dafür leichter Wind, nicht unangenehm. Immer noch mit 4:57 unterwegs, immer noch alles gut. Ich wusste, dass sich das Tempo rächen würde, die Frage war nur wann. Kilometer 25. Die ersten Geher. Das zweite PowerGel. Immer noch Kraft. Es würde bis Kilometer 30 reichen und dann wäre ich im letzten Renndrittel. Der Kilometer 30 kam, die Geher wurden mehr. Immer noch 4:57. Nur noch eine Abendtrainingsrunde, dann würde es geschafft sein.

Und der Mann mit dem Hammer? Wo blieb er oder hatten ihm PowerGels und Tagesform heute ein Schnippchen geschlagen? Er kam. Er wartete geduldig bei Kilometer 35 und erledigte seinen Job trocken und humorlos: ich tippe auf ca. 10 kg Gewichte, die er mir mit auf den Weg gab. Schlagartig wurden die Beine schwer, die Musik geriet in den Hintergrund, ich verließ den Tunnel, in dem der Rhythmus war. Die Pace rutschte auf 5:30. Kilometer 37. Man reichte “Bizzl Cola”, die ich dankbar annahm. Nochmal Kohlehydrate, die schnell ihren Weg ins Blut finden würden. Nur noch 5 Kilometer. 5 Kilometer, die ich am Tag zuvor noch als lockeres Footing abgespult hatte. Es war greifbar.

Wieder eine Matte zur Zeitmessung, das musste Kilometer 40 gewesen sein. Kein Blick mehr für die Kilometerschilder am Straßenrand. Keine Orientierung mehr. Wo ist das Ziel? Kilometer 41. Die Straße macht einen Knick. Die letzte Gerade. Ich erkenne die Straße wieder, auf der ich vor einer gefühlten Ewigkeit gestartet bin. Dann die Frankfurter Festhalle, das Ziel. Es war geschafft, 42,195 Kilometer in 3:37:48. Die Dampfwalze der Marke “Glück & Müdigkeit” erwischte mich voll – und es war ein verdammt geiles Gefühl.

3 Antworten
  1. Señor Rolando says:

    Respekt! Astreine Pace und solide durchgezogen. Feine Sache.

  2. @YvonneSim says:

    Ich mag die Stelle mit der Pinkelpause ^^

    Congrats!

  3. Jackie says:

    Tolle Leistung Honey!

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