WhatsApp Aftermath

22 Feb
22. Februar 2014

War doch interessant, welche Wellen der WhatsApp-Deal die letzten Tage geschlagen hat und welche Meinungen und Vorurteile sich so gebildet haben.

1) Der Kauf

Facebook zahlt “nur” 4 Milliarden US$ in Cash für WhatsApp. Der Rest wird in Aktien gezahlt, d.h. es ändern sich in erster Linie die Beteiligungsverhältnisse an Facebook. Über den Deal gemault haben also in erster Linie die Investoren. Zuckerberg zahlt WhatsApp zum größten Teil mit Geld, das er ohnehin nur auf dem Papier besitzt. Natürlich sind 4 Milliarden US$ auch absurd viel Geld, rücken den Deal aber doch in andere Dimensionen.

2) Die Privatsphärediskussion

Die Meinungen gehen doch ziemlich auseinander zwischen denjenigen, denen das alles ziemlich egal ist und weitermachen wie bisher und denjenigen, die zu einem anderen Messenger wechseln wollen oder gewechselt sind.

WhatsApp hat, glaubt man den Schätzungen im Netz, ca. 30 Millionen Nutzer in Deutschland. Threema konnte seine Benutzerzahl nach dem WhatsApp-Deal verdoppeln und kommt jetzt auf ca. 400.000 Benutzer. Das sind lächerliche 1,3%. Jetzt anzunehmen, am Nutzerverhalten würde sich angesichts dieser Zahlen irgendetwas nachhaltig verändern, ist natürlich albern.

Was mich und meine private(ste)n Daten angeht: ich bin da ausgeprägt egoistisch. Mir ist es völlig egal, ob und wer die Nachrichten dieser 30 Millionen WhatsApp-User ausliest, speichert, auswertet und weiterverhökert. So lange meine nicht dabei sind.

Ich habe mir Threema letztes Jahr im Juni installiert, weil WhatsApp schon damals eklatante Mängel in puncto Sicherheit hatte. In meinem persönlichen Umfeld verbreitet sich so eine App schnell und darum erreiche ich auch eine große Anzahl meiner Kontakte über Threema. Ich habe WhatsApp nicht deinstalliert und nutze natürlich auch Facebook. Meine Daten wandern also auch auf deren Server. Allerdings nur Daten, die, wie auch auf diesem Blog, öffentlich sind.

3) Die Technik

Threema funktioniert im Wesentlichen wie verschlüsselte Mail. Bei der Installation der App wird ein privater und ein öffentlicher Schlüssel erzeugt. Mit dem privaten Schlüssel wird ver-, mit dem öffentlichen entschlüsselt. Verschlüsselt sind grundsätzlich alle Nachrichten. Lediglich die Verifizierung der Kontakte, die über den öffentlichen Schlüssel verfügen (also alle Nachrichtenempfänger), erfolgt über drei Stufen: rot bedeutet keine Verifizierung, bei orange erfolgte die Verifizierung über das Adressbuch und bei grün über eine Prüfsumme, die in einem QR-Code enthalten ist. Der QR-Code ist also KEIN Schlüssel!

Natürlich ist auch Threema nicht 100%-ig sicher. Hält man es mit Fefe, kann man mobilen Plattformen per se nicht vertrauen. Diese Ansicht kann man natürlich vertreten. Die Verschlüsselung von Threema ist validierbar und ich halte sie für hinreichend sicher. Unter hinreichend verstehe ich, dass einzelne Individuen und Firmen während der Nachrichtenübermittlung nicht auf deren Inhalt zugreifen können. Anders sieht das bei Nachrichtendiensten und Strafverfolgungsbehörden aus und auch dem Betreiber glaube ich nur, dass er meine Daten nicht benutzen möchte. Da die App aber prinzipiell auf meinen privaten Schlüssel zugreifen kann wäre durchaus der Fall gegeben, dass Dritte Zugang zu meinen Nachrichten erhalten könnten. Allerdings ist dieser Aufwand ungleich höher als bei WhatsApp und ein Geschäftsmodell, das auf Datenprofiling basiert wäre so erst recht nicht möglich.

tl;dr: Wäre der kritischen Masse der Umgang mit ihren Daten nicht egal, gäbe es auch kein Geschäftsmodell, das auf deren Ausbeutung basiert. So bleibt alles, wie es ist.

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