Erik Schimmel Was raus muss, muss raus.

2Dez/095

Zeit zur seelischen Erhebung

Die Weimarer Reichsverfassung erachtete 1919 die Sonntagsruhe für die "seelische Erhebung" als notwendig - und gesetzlich schützenswert. Dieser Ansicht folgte das Bundesverfassungsgericht 90 Jahre später und kippte eine liberale Regelung des Bundeslandes Berlin, die dem dem Einzelhandel die Ladenöffnung an den vier Adventssonntagen vor Weihnachten gestattet.

Das spannende an diesem Urteil ist, dass es nun im Prinzip jedermann möglich ist, die Sonntagsruhe einzuklagen und zwar nicht nur denjenigen, die sich in der Ausübung ihrer Religion beeinträchtigt fühlen: das Urteil trägt nämlich laut Verfassungsgericht "den menschlichen Bedürfnissen Rechnung".

Er würde vermutlich Hirn vom Himmel werfen, wenn er denn könnte.

Vielleicht wirft er Hirn vom Himmel?

Denken wir also einen Moment über das menschliche Bedürfnis zur seelischen Erhebung und das damit verbundene Grundrecht auf Sonntagsruhe nach. Tanken und Bier kaufen stellt eine Ausnahme der Sonntagsruhe dar, stört die seelische Erhebung also nicht. Das Auto durch die Waschstraße fahren ist nicht seelisch erbauend genug und daher verboten - Autos bauen dagegen nicht. Sonntags essen gehen ist familienfördernd und seelisch erhebend, aber eben nur für Gäste. Für das Personal muss die seelische Erhebung eben auch mal auf den Dienstag oder einen anderen Werktag verschoben werden. Brötchen dürfen mittlerweile nach langen Kampf Sonntags verkauft werden - von seelischen Folgeschäden ist immerhin noch nichts bekannt geworden.

Überhaupt scheint sich der Wunsch der Gesellschaft nach seelischer Erhebung im 21. Jahrhundert gewandelt zu haben. Shopping wird wie schwimmen, wandern oder Kino als Freizeitbeschäftigung empfunden. Während also der Bademeister im Schwimmbad auf seelische Erhebung am Sonntag verzichten muss, hat der Verkäufer im Einzelhandel Gelegenheit dazu - solange er nicht an einem Flughafen, Bahnhof oder an einer Tankstelle arbeitet. Zu guter Letzt hat das höchste deutsche Gericht in seinem Bemühen, die Gesellschaft vor dem seelischen Super-GAU zu bewahren auch diejenigen vergessen, die sich am Freitag oder Samstag zum Zwecke der Erhebung aus dem Arbeitsprozess ausklinken möchten: Moslems und Juden beispielsweise. Eine allgemein gültige Regelung zur Sonntagsruhe scheint also seine Tücken zu haben: überall dort, wo es Menschen mit dem Wunsch nach seelischer Erbauung gibt, geht es nicht ohne die, die genau darauf verzichten müssen.

Geklagt haben übrigens die Kirchen - also genau die, die aufgrund ihrer weltfremden Einstellung und dogmatischen Regeln Jahr für Jahr mehr Probleme haben, ihre Schäfchen bei der Stange zu halten. Ich wünsche eine angenehme Sonntagsruhe und kein allzu unangenehmes Erwachen aus dem Tiefschlaf.

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8Aug/090

Zwei Opfer

Liebe Kinder,

folgende Übung ist nicht zur Nachahmung empfohlen. Und wenn, stellt euch nicht so blöd an wie die zwei Opfer unten - dank YouTube bleibt sowas der Nachwelt erhalten! :-D

Special thanks to gissmog!

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