Die Google Street View Paranoia
Seit dem Streit um gesperrte Internetseiten im Kampf gegen Kinderpornographie habe ich eines gelernt: die breite Öffentlichkeit hat von der Funktionsweise des Internets in etwa soviel Ahnung wie von Astrophysik, Molekularbiologie oder Differentialrechnung. So ist es nicht verwunderlich, dass die Berichterstattung um Google Street View in den Medien im allgemeinen reißerisch, die Aussagen der Politiker weitgehend unzutreffend und die Reaktion der breiten Masse überwiegend ablehnend ist. Otto Normalsurfer googelt zwar gerne nach Schweinkram und Softwaredownloads, vor dem heimischen Jägerzaun aber hört der Spaß auf.
Bei Google Street View erkennt man im Grunde nichts, was man nicht auch von der Straße aus sehen könnte. Daher wundert es nicht wirklich, dass kein Gesetz das fotografieren und veröffentlichen von Gebäuden verbietet, Wohnhäuser eingeschlossen. Verbraucherministerin Aigner sieht das anders und hat dem Internetriesen ein Widerspruchsrecht abgerungen, nach ihren Worten um "nicht auf dem Präsentierteller der digitalen Welt" zu landen. Vielleicht hätte es Google einfach cleverer anstellen und Street View zu einem Wettbewerb um den schönsten Vorgarten deklarieren sollen - die Aufregung wäre vermutlich halb so groß gewesen. So werden seitens der Politik und der Medien lieber Vorurteile bedient und Ängste geschürt.
Das Amtsblatt Filderstadt weist z.B. in der Ausgabe vom 21.5.2010 auf Seite 2 rot umrandet auf das Widerspruchsrecht hin - natürlich ohne über den Dienst per se aufzuklären. Warum sollte man auch wissen, wogegen man Widerspruch einlegt?
Wer sich nach dem Besuch des Apple Stores in der 5th Avenue nach einem Straßencafé umsehen möchte, kann das z.B. hier tun. Wer sich in Deutschland dafür interessiert, in welche Gegend er zieht oder wie die neue Schule der Kinder aussieht könnte das in Zukunft auch. Wer argumentiert, dass sich Street View als Hilfsmittel für Einbruchsstreifzüge mißbrauchen lässt, müsste ebenso konsequent das Auto als Fluchtfahrzeug für Banküberfälle oder das Mobiltelefon als Hilfsmittel für Drogenhändler verbieten.
Ich halte Datenschutz für wichtig und notwendig. Niemand sollte über Street View identifiziert werden können, weder im Vorgarten sitzend noch beim Verlassen der Arztpraxis. Ein Haus betrachte ich aber als öffentlich - was ich beim vorbeigehen erkennen kann, sehe ich nicht mehr als schützenswerte Privatsphäre an. Wer auf totale Abschottung Wert legt, sollte den Jägerzaun gegen eine Hecke eintauschen.
Datenschutz
Unwillkürlich fiel mir gestern der alte Witz von dem Elefanten ein, der durch einen Ameisenhaufen getrampelt ist. Der Elefant schüttelt unbeeindruckt die aufgebrachten Ameisen ab, bis auf eine - der rufen sie dann zu: "Würg ihn, Egon... würg ihn!"
Unsere Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) ist eine solche Ameise, die sich gerade an Facebook-Chef Mark Zuckerberg reibt. Sie droht mit der Kündigung ihres Facebook-Accounts, sollte das soziale Netzwerk (mehr als 400 Mio. Benutzer weltweit) künftig nicht sorgfältiger mit den privaten Daten seiner Mitglieder umgehen. Mark Zuckerberg wird seit gestern nicht mehr ruhig schlafen können. Konkret ging es um die Ankündigung von Facebook, Benutzerdaten künftig ausgewählten dritten Unternehmen zur Verfügung stellen zu wollen. So nutzen z.B. die Nutzer von AIM ihre Facebook-Identität, um sich bei diesem Dienst anzumelden.
So weit, so gut. Man möchte der wackeren Ilse gerne glauben, dass sie sich so sehr um die privaten Daten ihrer Wähler und Wählerinnen sorgt, hätte sie in der letzten Legislaturperiode nicht nur für die Internetzensur, sondern auch für die Vorratsdatenspeicherung gestimmt. Und wäre da nicht auch der höchst umstrittene elektronische Entgeltnachweis ELENA, der Daten von Arbeitnehmern ebenfalls millionenfach speichert, wie z.B. die Teilnahme an Streiks oder Fehlzeiten durch Krankheit. Zugegeben, ELENA liegt nicht in Frau Aigners Resort - und lässt sich auch nicht so medienwirksam vor den eigenen Karren spannen.
Ich werde auch oft gefragt, warum ich meine Daten Twitter, Facebook und anderen sozialen Netzwerken zur Verfügung stelle. Um ehrlich zu sein: es ist mir herzlich egal, was sie damit machen. Vielleicht liegt das daran, dass ich das Internet seit der Zeit nutze, als man sich noch mit dem Modem einwählen musste. Seit damals nehme ich das Internet als Netzwerk ohne nationale Grenzen wahr und achte auf meine Daten. Was über mich öffentlich zu lesen ist, bestimme ich - und nicht Facebook oder ein anderes Netzwerk. Das beginnt damit, dass ich mir überlege was ich freigebe und endet mit der Auswahl der potentiellen Zielgruppe, der ich Zugriff auf diese Informationen gewähre.
Ein Netzwerk wie Facebook ist kein altruistischer Verein, der Serverfarmen und Personal kostenlos zur Verfügung stellt sondern ein Wirtschaftsbetrieb. Natürlich werden Datenprofile zum Zwecke der Werbung erstellt. Ein Geschäftsmodell, das in ähnlicher Form auch Payback betreibt. Payback gewährt Rabatt gegen Daten, so viel ich weiß ohne bisher bei Frau Aigner angeeckt zu sein. Direktmarketing-Gesellschaften wie Schober verfügen schon seit Jahren über umfangreiche Datenprofile, die jedem gegen Bezahlung zugänglich sind. Personen mit Mercedes und Eigenheim in einen bestimmten Stadtviertel? Kein Problem, geht völlig ohne Google.
Im Gegensatz zu ELENA ist die Teilnahme an sozialen Netzwerken wie Facebook freiwillig. Der Zweck eines sozialen Netzwerks ist, Informationen auszutauschen und wem das keinen Spaß macht, der läßt es eben. Mir geht jedenfalls das ewige Lamento der (in der Regel fachunkundigen) Politiker oder Journalisten über Google, Facebook und wie sie alle heißen allmählich auf den Geist. Aufklärung gerne, aber verteufeln muss man soziale Netzwerke nicht. Jede Mail die ich versende landet auf einem Server, der wiederum von Menschen administriert wird, die potentiell auf meine Daten zugreifen könnten - auch ohne Datenschutzbestimmungen, denen ich vorab zugestimmt haben soll wie es die Politik jetzt von Google fordert.
Man hat früher auch nicht in Postkarten aus dem Urlaub über Saufgelage und Sexorgien berichtet wenn man nicht wußte, was der Empfänger mit diesen Informationen anstellen würde. Bei sozialen Netzwerken ist es nicht anders. Wenn ich meine Friends und Follower nur oberflächlich kenne, gebe ich ihnen auch nur oberflächliche Informationen frei. Was sie dann damit anstellen, muss mich dann auch nicht beunruhigen.
Das iPad – bringt es attraktivere Tarife?
Erste Werbespots kündigen an, dass das iPad nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen wird. Ich finde, der Spot macht Lust auf das Gerät.
Interessant wird, wie sich die Mobilfunkanbieter positionieren werden: da das iPad ohne Sim Lock angeboten wird könnten sich endlich Tarife etablieren, die auch für iPhone-Benutzer interessant sind. Auch wenn das Netz von T-Mobile für das iPhone noch am besten geeignet ist: ewig dürfte der Exklusiv-Status nicht zu halten sein und Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft. O2 traue ich im Markt mobiler Internettarife am meisten zu.
Quo vadis, iPad?
Nun ist es also da, das lang erwartete Wunder-Gadget von dem alle offensichtlich erwartet haben, es könnte auch 5 Pfund junges Gemüse in 5 Minuten putzen. Kann es aber nicht - und schon ist das Gemecker groß. Um es vorweg zu nehmen: ich habe im Moment keine Verwendung für das iPad und ebenso wenig wie ich den Hype vor der Veröffentlichung nachvollziehen konnte, verstehe ich jetzt die allgemeine Enttäuschung. Das iPad setzt meiner Meinung nach sehr wohl Maßstäbe, es wird aber noch einige Zeit dauern bis der Markt das Gerät als das erkennt, was es ist: ein Gadget, kein Computer.
Als das iPhone 2007 vorgestellt wurde wusste ich sofort, dass ich das haben wollte und bin nicht enttäuscht worden - trotz vieler Bugs in den ersten Versionen. Ich habe es mir gekauft aufgrund der Dinge, die es konnte - und zwar weitaus besser konnte, als andere "Smartphones". So war mir z.B. herzlich egal, dass es zum damaligen Zeitpunkt Kamera-Handies gab, die mehr Megapixel hatten oder MMS versenden konnten - weil ich es nicht brauchte. Was ich brauchte, war ein vernünftig bedienbares, Internet-fähiges Telefon, das meine Playlists synchronisiert und es mir so ersparte, meinen iPod und mein Handy mit mir rumzuschleppen.
Apples Produktphilosophie war immer schon "Simplicity" - ein Gerät, das seinen Einsatzzweck so einfach wie möglich erfüllt. Wer also fehlende Schnittstellen, Speicherkarten, WebCams etc. beklagt sollte sich evtl. fragen, ob er mit einem leichten Subnotebook nicht besser bedient wäre - es gibt ja z.B. das MacBook Air.
Natürlich kann man auch das geschlossene Öko-System iTunes, iPod, iPad etc. kritisieren. Ein iPod, iPhone oder iPad müssen aber meiner Meinung nach nicht offen sein. Es sind Gadgets. Mein altes jailbreaked iPhone 2G ist offen - stabiler ist es dadurch nicht geworden. Ein Auto verwendet auch proprietäre Technologie und jeder akzeptiert es. Kein Mensch würde erwarten einen BMW-Motor in einen VW einbauen zu können. Das Navigationssystem navigiert ebenfalls geschlossen, ohne dass man zusätzliche Themes, Skins oder sonstwas dazu installieren müsste.
Apple ist eben auch Anbieter multimedialer Inhalte und läßt sich das bezahlen. Das ist ein legitimes Geschäftsmodell das man akzeptieren kann, aber nicht muss. Mich hat es bisher nie gestört, dass ich iTunes zum befüllen meines iPods oder iPhones benötige - warum auch. Es tut genau das, was es soll. Wer ein Smartphone braucht, das "hackable" ist, findet sicher eins und handelsübliche Netbooks werden nach der iPad-Ankündigung auch nicht vom Markt verschwinden.
Das iPad ist ein Multimedia-Terminal das Apples Inhalte transportiert - nicht mehr und nicht weniger. Videos, Musik und Apps kommen via iTunes, die Auswahl ist heute schon riesig. Interessant finde ich daneben die Möglichkeit, multimediale Inhalte über den virtuellen Bookstore zu beziehen. Sollten die Inhalte überzeugen, käme das Gerät auch für mich in Frage. Dazu kommt die beispiellos gute Bedienung. Eindeutig verbesserungswürdig ist allerdings das fehlende Multitasking oder dass keine Flash-Inhalte abgespielt werden können. Beides lässt sich Software-seitig nachbessern und ich sehe keinen Grund, warum das nicht kommen sollte.
Warten wir's also ab, wie sich das Produkt entwickelt - der iPod war anfangs ja auch "nur" ein MP3-Player.

