Erik Schimmel Was raus muss, muss raus.

7Aug/110

Friedrichs sommerlicher Sprechdurchfall

Ja, es ist Sommerloch und wir sind es gewohnt, dass sich in dieser Zeit all diejenigen entblöden, von denen man das ganze Jahr über glücklicherweise nichts hört. Egal, ob Scharfmacher Hans-Peter Uhl (CSU), der das Attentat in Norwegen nutzt um mal wieder nach der Vorratsspeicherung zu rufen (die es in Norwegen übrigens gibt) oder sein Parteifreund Kauder, der freiheitliches Denken für eine Modeerscheinung hält - nichts ist dumm genug, um dieser Tage nicht doch postuliert zu werden.

Nun meldet sich auch Innenminister Friedrich zu Wort. Er schmollt mal wieder über "dieses Internet", das ja irgendein Raum abseits der Gesellschaft zu sein scheint, in dem sich massenhaft lichtscheues Gesindel tummelt, das unter dem Deckmantel der Anonymität unbehelligt Straftaten plant und durchführt. Wie z.B. die Parteispender, die Altkanzler Kohl bis heute geheim hält. Darum möchte Herr Friedrich die Anonymität im Internet jetzt gerne abschaffen. Wie, das sagt er nicht. Vermutlich träumt es ihm von einem Netz der Marke "Chinesische Mauer" - wie auch seinem Parteifreund Uhl, mit einem großen, roten Knopf dran, den man im Bedarfsfall drücken kann. So eins, wie es der Herr Mubarak auch gerne gehabt hätte.

Friedrich, immerhin Jurist, wünscht sich, dass die Blogger mit "offenem Visier argumentieren" sollen. In den meisten Fällen tun sie das aufgrund der in Deutschland längst gültigen Impressumspflicht sowieso schon. Und falls nicht, was sollte seine Forderung bringen? Entweder Blogger bewegen sich mit ihren Äußerungen im rechtlichen Rahmen, dann stört sich auch niemand an der Anonymität. Falls nicht, gäbe es die üblichen Mittel der Strafverfolgung, wie sie bei anderen Formen der Internetkriminalität auch längst zur Anwendung kommen.

Die Identität des von Friedrich beispielhaft angeführten 'Fjordman', Breiviks Lieblingsblogger, ist übrigens bekannt. Das Problem mit Friedrich ist, dass hinter der Fassade des harmlosen Zausels ein berechnender Populist am Werk ist. Er provoziert bewusst den Aufschrei der Netzgemeinde, um seinen Wählern das Märchen vom rechtsfreien Raum glauben zu machen. 40% der Unions-Wähler sind über 60, weitere 25% sind der Altersgruppe der 45- bis 60-Jährigen zuzurechnen (Quelle: Statista). Von dieser Wählergruppe ist eine differenzierte Auseinandersetzung mit netzpolitischen Themen kaum zu erwarten.

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18Jul/110

Round and round and round it goes…

Google, Facebook & Twitter

Google, Facebook & Twitter

Where it stops? Nobody knows.

Missen möchte ich keinen der Dienste: Twitter nicht, weil er so schnell und einfach funktioniert, Google+ nicht, weil er alles bietet, was ich bei Twitter und Facebook vermisse und Facebook nicht, weil es das Mainstream-Angebot darstellt, das die kritische Masse nutzt.

Ich habe mich gewaltig umgestellt bei Twitter. War es früher mein soziales Netzwerk Nr. 1, nutze ich es heute hauptsächlich als Informationsquelle für alles Mögliche. Fußballergebnisse? Updates? Neue Tools und Dienste? Breaking News? Alles auf Twitter. Viele meiner Follower kenne ich persönlich und interessiere mich für ihre Meinungen. Allerdings ist das Kennenlernen über den Dienst seltener geworden. Dafür gibt's mehr Spam in Form von Followern, die den Kontakt ausschließlich deswegen suchen, um Links auf ihre Angebote los zu werden. Oder Leute, die sich auf einem permanenten Egotrip befinden und denen die Anzahl ihrer Follower, Favs und Retweets so wichtig ist, dass sie in ihrem Profil gleich auf Favstar verweisen. Auch wenn man das Gefühl hat, dass sich Twitter nicht weiter entwickelt: alles in allem funktioniert der Dienst so, wie er soll und wenn nicht, kann man sich fast alles so hinbiegen, wie man's braucht. Prädikat: unverzichtbar.

Google+ ist der neue Stern am Web 2.0-Himmel. 10 Millionen Nutzer in 2 Wochen - es könnte endlich klappen mit Google's sozialem Netzwerk. Zumal man es diesmal so gemacht hat wie Microsoft: das, was funktioniert abkupfern und durch eigene Ideen verbessern. So ist das Circle-Prinzip genau das, was ich bei Twitter und Facebook vermisse: ich möchte meine Nachrichten gerne gezielt an bestimmte Personenkreise richten können. Wenn man sich seinen Nachrichtenstream jetzt auch noch individuell aus seinen Circles zusammenklicken könnte, wäre der Dienst in meinen Augen perfekt - von den (noch) fehlenden Usern und nativen Clients mal abgesehen. Auch das krude "anfreunden" wie bei Facebook entfällt. Kein peinliches "du, ich wüßte gerne, was du so postest, bitte laß mich rein" oder Freundschaftsanfragen des Chefs, die man nicht ablehnen kann. Wer mich interessiert, dem folge ich - schließlich hat derjenige ja auch die Möglichkeit, seinen Nachrichtenausstoß gezielt zu kontrollieren. Im Gegensatz zu Twitter stellt Google Diskussionen übersichtlich dar. Der Dienst konzentriert auf das Wesentliche, ganz im Gegensatz zu Facebook, das mit albernen Gimmicks nervt, aber eben doch weiter entwickelt als Twitter. So bietet Google auch einen Videochat und Newssuche, alles in allem also Features, die ich gut gebrauchen kann und die darüber hinaus gut implementiert sind. Man hat bei Google gelernt und liefert mit Google+ das fehlende Puzzleteilchen, das deren bisherige Dienste optimal verbindet. Prädikat: könnte unverzichtbar werden, hakt aber hier und da noch.

Facebook ist der Platzhirsch. Ich habe lange gebraucht, um mit Facebook warm zu werden und ich habe eine ellenlange Liste von Punkten, die mich an Facebook massiv stören. Angefangen bei den bereits erwähnten "Apps" wie Glücksnüsse oder Spiele, die man erst mühsam blocken muß, damit der Dienst überhaupt benutzbar wird. Weiter über die verklausulierten Einstellungen zum Profil, die an jeglicher nur denkbaren Stelle versteckt sind - nur nicht dort, wo man sie sucht. Ebenso kompliziert ist die Zuweisung von Rechten auf Inhalte an bestimmte Personengruppen. Was Facebook für mich interessant macht, ist die Tatsache, dass es defacto das Telefonbuch des Internets darstellt. Man benutzt es, um Menschen zu finden und mit ihnen in Kontakt zu treten - und zu bleiben. Seit Facebook ist die Anzahl von Witzen, die Leute mühsam aus dem Internet in Powerpoint-Folien kopieren und per Email verteilen angenehm klein geworden. Wozu auch: man verlinkt eben auf den Gag und der Teil der Gefolgschaft, den es interessiert liest es. 1:n statt 1:1 - der ursprüngliche Sinn eines sozialen Netzwerks. Facebook ist wie eine festgefahrene Beziehung: ist man drin, nörgelt man gerne dran rum, ist man draußen, fehlt auch was. Prädikat: noch unverzichtbar, aber die Konkurrenz schläft nicht. Im Gegenteil. Und das ist auch gut so. Hier findet ihr mich bei den jeweiligen Diensten:

Twitter: @erikschimmel
Google+: gplus.to/erikschimmel
Facebook: facebook.com/erikschimmel

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