Erik Schimmel Was raus muss, muss raus.

18Aug/111

Warum ich das Rauchen aufgehört habe

Rauchen verboten

Ich habe 1996 endgültig das Rauchen aufgehört. Ich wünschte ich könnte damit angeben, wie schwer es mir gefallen ist, wie hart der Entzug war und wie entbehrungsreich die Zeit ohne Zigaretten. War es aber nicht. Ich habe als Jugendlicher mit 14 das Rauchen angefangen und 15 Jahre geraucht, zum Schluß 1-2 Schachteln am Tag. Ich habe die typische Raucherkarriere hingelegt: aus Dummheit angefangen und später dem gesellschaftlichen Druck gefolgt.

1991 bin ich meinen ersten Marathon gelaufen. Ich habe mich 10 Monate darauf vorbereitet und natürlich auch das Rauchen aufgegeben. Nach dem Lauf habe ich mir dann eine Zigarette angezündet (die übrigens fürchterlich geschmeckt hat, so wie Zigaretten eben schmecken). Ich hatte 10 rauchfreie Monate hinter mir und habe ohne Not wieder damit angefangen (natürlich nur ab und zu). Warum dieser Blödsinn? Warum fangen Frauen nach der Schwangerschaft wieder an zu rauchen? Nach ca. 1 Stunde hat der Körper das Nikotin abgebaut, nach 3-4 Wochen läßt der antrainierte Griff zur Kippe nach. Warum fällt das Aufhören trotzdem so schwer?

Weil man im Kopf immer noch ein Raucher ist. Und weil man sich über die Jahre ein Bild vom Rauchen geschaffen hat, das mit der Realität absolut nichts zu tun hat.

K(aum) ein Raucher leugnet die Nachteile des Rauchens. Aber da die unmittelbaren Auswirkungen des Rauchens für den Raucher nicht negativ, sondern eher positiv sind, verdrängt er die Fakten und redet sich albernen Quatsch im Stil von "Nichtraucher sterben auch" ein. Stimmt zwar, sterben ist in den allerwenigsten Fällen ein Vergnügen, aber Raucher sterben mehrheitlich qualvoller. Wer schon mal erlebt hat, wie ein Krebskranker dahinsiecht, kann sich weitaus angenehmere Arten vorstellen, den Löffel abzugeben.

Werbung für das Leben der Nichtraucher 

Ende des vergangenen Jahrtausends galt das Rauchen in der Gesellschaft noch als Kulturgut und wurde in der Öffentlichkeit und am Arbeitsplatz akzeptiert. Man nahm der Werbung das positive Image vom Raucher ab. Die Marken waren unterschiedlich, aber die Botschaft war immer die gleiche: Raucher sind aktiv, attraktiv, sportlich, taff und stehen natürlich gesellschaftlich im Mittelpunkt. Zigarettenschachteln wurden stilvoll gestaltet, um sie auf dem Tisch liegen lassen zu können (John Player, Benson & Hedges). Wir erinnern uns an den Globetrotter von Peter Stuyvesant, den Marlboro- oder Camel-Mann und das putzige HB-Männchen. Die Hipster auf den Plakaten hatten natürlich keine gelben Finger, häßlichen Zähne, Husten oder schlechte Haut und schon gar keine Raucherbeine oder Krebs. Werbung für das Leben der Nichtraucher.

Im Jahr 2011 sind Raucher eine (wenn überhaupt) tolerierte Minderheit, werden gegängelt und belächelt, wenn sie in abgetrennten Bereichen im Restaurant oder in verrauchten Glaskästen am Flughafen stehen müssen. Als Hipster werden sie erst recht nicht wahrgenommen, eher als rücksichtslos und lernresistent, vor allem wenn sie beharrlich darauf bestehen, wieviel Genuß ihnen das Rauchen bereitet. Mehr und mehr Rauchverbote werden durchgesetzt bzw. ausgeweitet, es ist heute einfacher sich in der Öffentlichkeit aufzuhängen als sich eine Zigarette anzuzünden.

In der Gesellschaft und Politik wächst der Wunsch, die Tabakindustrie mehr an den Kosten zu beteiligen, die das Rauchen verursacht. Die hat heute mehr den Status eines Schmarotzers, der durch Lobbyarbeit hektisch versucht, den Status Quo aufrecht zu erhalten. Wie Umweltsünder verachtet der heutige Zeitgeist mehr und mehr Industriezweige, die der Menschheit schaden.

Als ich 1996 das Rauchen aufgehört habe wußte ich, dass ich nie wieder anfangen würde. Selbst eine 1997 aus Wut angezündete Zigarette konnte daran nichts ändern. Der entscheidende Punkt damals: mein Bild vom Raucher hatte sich entscheidend geändert. Die Kosten, die Gesundheit - das waren zwar alles gute Argumente gegen das Rauchen. Aber nichts ist so nachhaltig wie das eigene Ego und der Ärger über sich selbst, nachdem man festgestellt hat, wie dumm man jahrelang war.

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19Jun/110

Tag am Meer

Ein Tag beginnt für viele von uns gleich und endet doch für manche gravierend anders. Der 18. Juni 2011 begann für mich um 7:30. Nach dem Aufstehen habe ich meine Laufsachen angezogen und bin von unserem Hotel aus am Strand entlang gelaufen. Für einen anderen Urlauber im Nachbarhotel muß der Tag ähnlich begonnen haben, unsere Wege haben sich sogar kurz gekreuzt. Während ich allerdings um ca. 9:00 Uhr zurück ins Hotel gelaufen bin, haben sich eine handvoll Rettungskräfte darum bemüht, den Mann zurück ins Leben zu holen.

Was war passiert?

Nachdem ich den anderen Läufer und seine Frau kurz am Strand gesehen habe, bin ich noch etwa einen Kilometer weiter gelaufen und dann umgekehrt. Auf dem Rückweg Richtung Hotel sah ich ihn dann im Sand liegen, umringt von einigen Urlaubern, die ihm eine Herzmassage gaben. Seine Frau stand in Schockstarre daneben. Eine Frau fragte mich, ob ich ein Handy hätte. Hatte ich nicht. Ich bot an, Hilfe zu holen - die vermutlich längsten Minuten meines Lebens begannen. Ich lief quer über den Strand, über eine Straße, vorbei an einem Hotelkomplex dessen Eingang allerdings auf der mir abgewandten Seite gewesen sein muß, in einen Supermarkt. 5 Minuten.

In dem Supermarkt arbeite eine Kassiererin, für die es offensichtlich völlig normal zu sein schien, dass morgens Menschen in den Laden stürmen, die "Emergency", "Telephone" und "Ambulance" rufen. Zumindest schien sie das nicht aus der Ruhe zu bringen. Ich lief in den nächsten Gang und brüllte einen anderen Mitarbeiter an, der mit dem Einräumen der Regale beschäftigt war. Der reagierte aber und wies seine schlafmützige Kollegin an, den Notarzt anzurufen. Nochmal 5 Minuten.

Zurück mit dem Regaleinräumer an den Strand. Polizei und Notarzt waren mittlerweile eingetroffen, der kollabierte Strandläufer erhielt immer noch Herzmassagen. Es müssen 15-20 Minuten vergangen sein, als der Notarzt dem Mann den Defibrilator auf die Brust setzte und seine Assistentin die Adrenalinspritze aufzog.

Ich fand es sinnlos zuzusehen, wie Menschen um das Leben eines anderen kämpfen, ohne selbst etwas tun zu können und bin ins Hotel zurück gelaufen.

Nachdenklich. Und natürlich hat mich das Ereignis auch später im Hotel nicht losgelassen.

Umso mehr hat mich gefreut, dass der Mann es überlebt hat. Er muß eine Armee Schutzengel gehabt haben.

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