Stadionbesuch VfB Stuttgart – Bayern München
- Die Soccer-Lounge im Hilton Garden Inn neben der Mercedes-Benz Arena
- Das Fußball-Menü. Vor und nach dem Spiel gibt es ein Buffet und kostenlose Getränke.
- Die Cannstatter Kurve
- Die Baustelle der Untertürkheimer Kurve
- Die Haupttribüne vor dem Anpfiff
Stadionbesuch VfB - Bayern München
Es hat sich zu einer guten, wenn auch nicht billigen Tradition entwickelt, dass mein langjähriger Freund Markus seine Kontakte zum VfB ausnutzt und Karten für den Südgipfel gegen Bayern organisiert. Es hat auch dieses Jahr funktioniert: bei herrlichem Herbstwetter traf ich mich zunächst mit Markus und Steve in der Soccer Lounge des Hilton Garden Inn neben dem Stadion und später dann noch mit den VfB-Fans Kasi, Yvonne und ihrer Tochter Sabrina.
Bei einer schnellen Stadionbrause vor dem Spiel wurde nochmal die Wichtigkeit des Spiels sowie dessen wahrscheinlicher Ausgang diskutiert, ehe es dann endlich ins Stadion ging. Irgendwie zeigten sich die VfB-Fans seltsam nervös... was evtl. mit den Ergebnissen des VfB in den vergangenen Spielen zusammenhing.
Das Spiel ging leider nur 0:0 aus - es war ein über weite Strecken zerfahrenes Spiel beider Mannschaften. Der VfB begann zunächst druckvoll, ließ sich aber im Verlauf der ersten Halbzeit mehr und mehr von den Bayern in die eigene Hälfte zurückdrängen. Die Bayern dagegen konnten ihre Überlegenheit auf dem Platz nicht in Torchancen umsetzen. Schwer hatte es vor allem Mario Gomez, der bei jedem Ballkontakt vom Stuttgarter Publikum ausgepfiffen wurde - mir unverständlich, wenn man bedenkt wem es der VfB in erster Linie zu verdanken hat, dass man sich heute über die Einnahmen aus der Champions League freuen kann. Auch in der zweiten Hälfte verlief das Spiel ohne echte Höhepunkte, ein Tor von Luca Toni in der 86. Minute wurde wegen Abseits nicht gegeben.
Nach dem Schlußpfiff ging's dann nochmal zur Aufarbeitung des Spiels in die Soccer-Lounge. Ich würde ja zugern mal wieder einen Bayern-Sieg in meiner Wahlheimat erleben - der letzte datiert ja vom 21.5.2005.
Denkanstösse – der FC Bayern nach Bordeaux
Zugegeben: auch ich habe mich nach dem unglücklichen Jahr unter Jürgen Klinsmann einen erfahrenen Trainer gewünscht, der dem FC Bayern seinen Stempel aufdrückt und das alte Selbstbewußtsein wieder aufleben lässt. Nach 5 Monaten Louis van Gaal hat sich diese Hoffnung, vorsichtig formuliert, bisher nicht erfüllt.
Resümieren wir: verdiente Spieler wie Lucio oder Ze Roberto wurden abgegeben - wieviel sie wert sind, kann man bei Inter Mailand bzw. beim HSV sehen. Van Gaals Wunscheinkäufe Braafheid und Pranjic sind bestenfalls Mitläufer und werden dem FC Bayern noch lange Zeit auf der Tasche liegen. Schlimmer noch: sie verhindern, dass die Abwehr die längst fällige Verstärkung auf der rechten Seite erhält, damit Philip Lahm wieder auf der linken Seite spielen kann. Für van Gaals Wunschsystem, das 4-3-3, wurde Arjen Robben geholt - neben Ribery zweifellos ein Außnahmespieler, jedoch verletzungsanfällig.
Die Umstellung auf das 4-3-3 mag richtig sein - gegen Wolfsburg hat die Mannschaft das eindrucksvoll gezeigt. Allerdings hat Louis van Gaal für dieses System kein Personal, wenn wie jetzt seine Flügelzange nicht zur Verfügung steht. Die Alternative ist die Umstellung auf ein 4-4-2 mit Mittelfeldraute - ein System, das van Gaal der Doppelsechs vorzieht, obwohl er hierfür das Personal hätte: den für 15 Mio geholten Anatoliy Tymoshchuk und Kapitän Mark van Bommel vor der Abwehr.
Das Personal scheint überhaupt das Problem des Louis van Gaal zu sein. Schon in Barcelona hatten die Stars Schwierigkeiten mit van Gaal, in München zeichnet sich nun ähnliches ab. Mario Gomez, zweifellos einer der besten Stürmer den die Liga in der letzten Saison hatte, verkümmert unter van Gaal auf der Bank. Luca Toni ist unter van Gaal ebenfalls nicht wohl gelitten und auch Ivica Olic fühlt sich in der Joker-Rolle wohler, als von Beginn an auf dem Platz zu stehen: zu groß sei die Angst, auf dem Platz Fehler zu machen.
Louis van Gaal ist ein Disziplin-Fanatiker, der von seinem Personal die peinlich genaue Umsetzung seiner Vorgaben erwartet. Diesem Anspruch sollte er nun ebenfalls gerecht werden. Nach dem Spiel gegen Dortmund auf Mario Gomez bzw Anatoliy Tymoshchuk angesprochen meinte van Gaal, er habe diese Spieler nicht geholt. Nun, Mario Gomez und Anatoliy Tymoshchuk werden wie van Gaal selbst vom FC Bayern bezahlt - und nur als Kollektiv sind die hohen Ziele zu realisieren, die der FC Bayern ausgibt und für die van Gaal verpflichtet wurde. Nichts gegen eine Aufstellung nach Leistung anstatt nach Namen, aber den Leistungsträgern einer Mannschaft im Jahr vor einer Weltmeisterschaft das Selbstbewusstsein zu nehmen ist sicher nicht leistungsfördernd und zielführend.
Es wird nun in den nächsten Spielen darauf ankommen, die Mannschaft hinter sich zu bekommen und als Team an einem Strang zu ziehen. Gegen Frankfurt in der Bundesliga und kurz darauf im Pokal wird man keinen Schönheitspreis gewinnen können, es zählen nur Ergebnisse. Mit Stuttgart wartet eine Mannschaft auf den FC Bayern, die nichts mehr zu verlieren hat und gegen Bayern immer schon an die Grenze und darüber hinaus gegangen ist. Diese Spiele müssen, ebenso wie das Heimspiel gegen Bordeaux, möglichst gewonnen werden, um die Saisonziele nicht schon früh aus den Augen zu verlieren. Es schließen sich die 6-Punkte-Spiele gegen Schalke und Leverkusen an.
Ich bin sehr gespannt, wie sich die Mannschaft in den kommenden, richtungsweisenden Wochen präsentieren wird.
Uli Hoeneß oder die unendliche Leichtigkeit des Seins
So kennt man Uli Hoeneß: mit knallrotem Kopf auf der Bank Tribüne wild gestikulierend und wie ein Gummiball umherhüpfend. Er hat es seinen Kritikern mal wieder gezeigt: alle haben einen rechten Verteidiger und einen Torwart gefordert, er hat einen Flügelstürmer gekauft und damit einen Volltreffer gelandet. Nichts freut den Hoeneß Uli eben mehr, als seinen FC Bayern oben auf zu sehen.
Es war eine Bayern-Gala am Samstag abend, ein Auftritt bei dem (fast) alles gepasst hat. Zumindest wollte niemand merken, dass Edson Braafheid dem Gegner (wieder mal) die linke Seite auf dem Silbertablett angeboten hat. Oder dass Wolfsburg eine der 100%-igen Chancen hätte verwandeln können, ja müssen - und dass dann die Schlagzeilen nach dem Ribery-Robben Spektakel weit weniger Superlative aufgewiesen hätten.
Egal, es ist wieder alles gut beim FC Bayern. Oder? Es hat zumindest gut getan zu sehen, dass die Mannschaft wieder Lust am Fussball hatte und darüber hinaus anfing, Louis van Gaals neues System zu verinnerlichen. Daniel van Buyten hob nach Spielende auch das Kollektiv heraus - und er war es auch, der Butt nach dessen Glanzparade gegen Dzekos Kopfball anfeuerte. Der FC Bayern mit Mannschaftsgeist - das macht Lust auf mehr.
Jetzt ist Länderspielpause und am 12.9. spielt man auswärts gegen Dortmund. Wenn sich niemand verletzt, ist mit den Bayern wieder zu rechnen - zumal Klopps gelb-schwarze sich zuletzt nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben. Hoffen wir, dass Uli Hoeneß wieder Grund zur Freude hat.
Der FC Bayern nach dem 3. Spieltag – jetzt ist van Gaal gefragt
Louis van Gaal wird von der Presse gefragt: "Was mögen Sie lieber: Weihnachten oder Siege in der Bundesliga?" Darauf van Gaals Antwort: "Weihnachten - weil's häufiger vorkommt". Galgenhumor, ja - aber das ist so ziemlich das einzige, was dem Bayern-Fan nach dem miserabelsten Saisonstart seit 43 Jahren bleibt. Ich war letzte Woche noch davon überzeugt, dass gegen Mainz der erste Sieg eingefahren wird und die Mannschaft langsam in die Spur kommt, aber nach dem desaströsen Auftritt gegen den Aufsteiger hat mein Optimismus doch einen kräftigen Dämpfer bekommen.
Gut, die Saison ist noch sehr jung und peinliche Ausraster wie gegen Aufsteiger Mainz gab es immer wieder. Allerdings konnte man sie oft aus luftiger Höhe betrachten und dann schnell wieder abhaken. Diesmal aber paarte sich die Arroganz zu glauben "den Mainzern spielerisch überlegen zu sein" (Gomez) mit einer der schlechtesten spielerischen und läuferischen Leistungen seit langem.
Die Fehler der Vergangenheit, allen voran die fragwürdige Transferpolitik, droht nun zum Problem der laufenden Saison zu werden. Da ist zuerst mal das Hickhack um Ribery: erst das Transfertheater, dann die Frage auf welcher Position er denn spielen soll. Das Problem: van Gaal hat im Moment kein System. Oder präziser formuliert: er hat nicht das Spielermaterial für das System, das er gerne spielen lassen möchte.
Wir drehen die Uhr zurück in eine Zeit, in der die Bayern-Welt noch in Ordnung war: Ottmar Hitzfeld lässt in der Saison 2007/08 ein 4-4-2 mit Doppelsechs spielen und wird überlegen Deutscher Meister - was hauptsächlich daran gelegen hat, dass er über einen Spitzentorwart (inkl. Vertreter Rensing, das soll hier nicht unerwähnt bleiben) und eine eingespielte Hintermannschaft verfügt hat. Luca Toni wurde Torschützenkönig und Frank Ribery der überragende Spieler der Saison.
Nach einer Saison unter dem Trainerlehrling Klinsmann wurden die Defizite deutlich: Torwart Rensing, als Kahn-Vertreter noch sicher, wurde im Bundesliga-Alltag gewogen und für zu leicht befunden. Massimo Oddo erwies sich für die rechte Abwehrseite ebenfalls als Bundesliga-untauglich und wurde nicht weiter verpflichtet. Auf der linken Mittelfeldseite konzentriert sich das Spiel zu sehr auf Frank Ribery, frei nach dem Motto "alle Bälle zum Fronck, der wird's schon richten". Er richtete nicht. Der Sturm mit Klose / Toni fällt verletzungs- bzw. leistungsbedingt weitestgehend aus. Das Ergebnis: die Führungsriege des FC Bayern verhindert mit Trainer-Oldie Jupp Heynckes gerade noch den Total-GAU namens Europa League und beschliesst, nochmal Geld in die Hand zu nehmen.
Man sollte also meinen, die Transferpolitik würde diesen Problemfeldern Rechnung tragen, aber weit gefehlt: noch unter Klinsmann werden die Neuzugänge Gomez, Olic, Baumjohann und Tymoshchuk eingefädelt, dazu gesellen sich der Rückkehrer Görlitz sowie van Gaals Wunschspieler Braafheid und Pranjic. Stürmertalent Müller sowie Innenverteidiger Badstuber rücken ebenfalls in den Profikader. Die Verpflichtungen von Olic, Gomez und Müller mögen angesichts der dünnen Personaldecke im Sturm noch Sinn machen, die Hintermannschaft ist dagegen nach dem völlig unnötigen Abgang von Lucio im Begriff, noch mehr Qualität einzubüßen.
Nach der erfolglosen Verpflichtung von Manuel Neuer hat man Rensing schließlich doch das Versetzungszeugnis ausgestellt - ein Fehler, wie das 1:0 von Ivanschitz am Samstag gezeigt hat. Dass die Verantwortlichen nach dem gescheiterten Neuer-Transfer nicht weiter am Transfermarkt tätig wurden erschließt sich mir höchstens dadurch, dass man mit Neuer bereits einen Vorvertrag geschlossen hat. Daniel van Buyten, bisher eher selten durch cleveres Stellungsspiel aufgefallen, zeigte beim Mainzer 2:0 ebenfalls, warum er seit Jahren allerhöchstens Ergänzungsspieler ist. Daniel van Buyten ist Teil des neuen Bermudadreiecks des FC Bayern, vor Rensing und neben dem noch unerfahrenen Holger Badstuber. Bleibt zu hoffen, dass Martin Demichelis bald wieder in die Mannschaft zurückkehrt, Luxustalent Breno stellt jedenfalls keine Alternative dar.
Eine Baustelle seit der letzten Saison: die rechte Abwehrseite. Man versuchte Borsingwa zu verpflichten - erfolglos. Der mit Donezk UEFA-Cup Sieger gewordene Srna? Nein Danke. Statt dessen zieht man Lahm auf die rechte Seite und experimentiert mit Neuzugang Pranjic - der sich mangels Perspektiven im linken Mittelfeld in der Abwehr versuchen darf. Ein Konzept sieht anders aus.
Das Konzept vermisst man auch im Mittelfeld: dem Versuch van Gaals mit einer Raute zu spielen dürfte Frank Ribery in der vergangenen Woche eine klare Absage erteilt haben. Der Monsieur möchte in seiner letzten Saison bei den Bayern links spielen und untermauert damit eindrucksvoll, wie abhängig der Verein von ihm ist. Van Gaal hat jetzt die "Alternative" Sosa, Müller oder Baumjohann als Spielmacher einzusetzen, evtl. noch mit Olic als hängende Spitze zu experimentieren oder die Raute aufzugeben und wie Klinsmann zum 4-4-2 mit Doppelsechs zurückzukehren.
Frank Ribery in dieser Saison abzugeben wäre die Chance für einen echten Umbruch und Sytemwechsel gewesen, zumal man den Verkaufserlös von vermutlich weit über 50 Mio. € in Spieler hätte investieren können, die dem FC Bayern weitergeholfen hätten. Entweder wollte man beim FC Bayern Muskeln zeigen und war allein aus diesem Grund nicht bereit, die Schlossalle abzugeben oder man war sich zu fein für Real Madrids Ausschussware, namentlich Rafael van der Vaart oder Wesley Sneijder.
Wir fassen zusammen: Lucio und Ze Roberto ohne Not abgegeben. Problemfall Ribery behalten. Die Hypotheken Breno, Sosa und Schweinsteiger durch Pranjic und Braafheid aufgestockt. Unsicherheitsfaktor Rensing darf weiter üben. Noch ist van Bommel verletzt - van Gaal wird also gegen Wolfsburg im Mittelfeld weiter improvisieren müssen. Bleibt zu hoffen, dass wenigstens Müller und Olic in die Startelf rücken und Klose endlich die Pause bekommt, um die er zu betteln scheint.









