Uli Hoeneß oder die unendliche Leichtigkeit des Seins
So kennt man Uli Hoeneß: mit knallrotem Kopf auf der Bank Tribüne wild gestikulierend und wie ein Gummiball umherhüpfend. Er hat es seinen Kritikern mal wieder gezeigt: alle haben einen rechten Verteidiger und einen Torwart gefordert, er hat einen Flügelstürmer gekauft und damit einen Volltreffer gelandet. Nichts freut den Hoeneß Uli eben mehr, als seinen FC Bayern oben auf zu sehen.
Es war eine Bayern-Gala am Samstag abend, ein Auftritt bei dem (fast) alles gepasst hat. Zumindest wollte niemand merken, dass Edson Braafheid dem Gegner (wieder mal) die linke Seite auf dem Silbertablett angeboten hat. Oder dass Wolfsburg eine der 100%-igen Chancen hätte verwandeln können, ja müssen - und dass dann die Schlagzeilen nach dem Ribery-Robben Spektakel weit weniger Superlative aufgewiesen hätten.
Egal, es ist wieder alles gut beim FC Bayern. Oder? Es hat zumindest gut getan zu sehen, dass die Mannschaft wieder Lust am Fussball hatte und darüber hinaus anfing, Louis van Gaals neues System zu verinnerlichen. Daniel van Buyten hob nach Spielende auch das Kollektiv heraus - und er war es auch, der Butt nach dessen Glanzparade gegen Dzekos Kopfball anfeuerte. Der FC Bayern mit Mannschaftsgeist - das macht Lust auf mehr.
Jetzt ist Länderspielpause und am 12.9. spielt man auswärts gegen Dortmund. Wenn sich niemand verletzt, ist mit den Bayern wieder zu rechnen - zumal Klopps gelb-schwarze sich zuletzt nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben. Hoffen wir, dass Uli Hoeneß wieder Grund zur Freude hat.
Der FC Bayern nach dem 3. Spieltag – jetzt ist van Gaal gefragt
Louis van Gaal wird von der Presse gefragt: "Was mögen Sie lieber: Weihnachten oder Siege in der Bundesliga?" Darauf van Gaals Antwort: "Weihnachten - weil's häufiger vorkommt". Galgenhumor, ja - aber das ist so ziemlich das einzige, was dem Bayern-Fan nach dem miserabelsten Saisonstart seit 43 Jahren bleibt. Ich war letzte Woche noch davon überzeugt, dass gegen Mainz der erste Sieg eingefahren wird und die Mannschaft langsam in die Spur kommt, aber nach dem desaströsen Auftritt gegen den Aufsteiger hat mein Optimismus doch einen kräftigen Dämpfer bekommen.
Gut, die Saison ist noch sehr jung und peinliche Ausraster wie gegen Aufsteiger Mainz gab es immer wieder. Allerdings konnte man sie oft aus luftiger Höhe betrachten und dann schnell wieder abhaken. Diesmal aber paarte sich die Arroganz zu glauben "den Mainzern spielerisch überlegen zu sein" (Gomez) mit einer der schlechtesten spielerischen und läuferischen Leistungen seit langem.
Die Fehler der Vergangenheit, allen voran die fragwürdige Transferpolitik, droht nun zum Problem der laufenden Saison zu werden. Da ist zuerst mal das Hickhack um Ribery: erst das Transfertheater, dann die Frage auf welcher Position er denn spielen soll. Das Problem: van Gaal hat im Moment kein System. Oder präziser formuliert: er hat nicht das Spielermaterial für das System, das er gerne spielen lassen möchte.
Wir drehen die Uhr zurück in eine Zeit, in der die Bayern-Welt noch in Ordnung war: Ottmar Hitzfeld lässt in der Saison 2007/08 ein 4-4-2 mit Doppelsechs spielen und wird überlegen Deutscher Meister - was hauptsächlich daran gelegen hat, dass er über einen Spitzentorwart (inkl. Vertreter Rensing, das soll hier nicht unerwähnt bleiben) und eine eingespielte Hintermannschaft verfügt hat. Luca Toni wurde Torschützenkönig und Frank Ribery der überragende Spieler der Saison.
Nach einer Saison unter dem Trainerlehrling Klinsmann wurden die Defizite deutlich: Torwart Rensing, als Kahn-Vertreter noch sicher, wurde im Bundesliga-Alltag gewogen und für zu leicht befunden. Massimo Oddo erwies sich für die rechte Abwehrseite ebenfalls als Bundesliga-untauglich und wurde nicht weiter verpflichtet. Auf der linken Mittelfeldseite konzentriert sich das Spiel zu sehr auf Frank Ribery, frei nach dem Motto "alle Bälle zum Fronck, der wird's schon richten". Er richtete nicht. Der Sturm mit Klose / Toni fällt verletzungs- bzw. leistungsbedingt weitestgehend aus. Das Ergebnis: die Führungsriege des FC Bayern verhindert mit Trainer-Oldie Jupp Heynckes gerade noch den Total-GAU namens Europa League und beschliesst, nochmal Geld in die Hand zu nehmen.
Man sollte also meinen, die Transferpolitik würde diesen Problemfeldern Rechnung tragen, aber weit gefehlt: noch unter Klinsmann werden die Neuzugänge Gomez, Olic, Baumjohann und Tymoshchuk eingefädelt, dazu gesellen sich der Rückkehrer Görlitz sowie van Gaals Wunschspieler Braafheid und Pranjic. Stürmertalent Müller sowie Innenverteidiger Badstuber rücken ebenfalls in den Profikader. Die Verpflichtungen von Olic, Gomez und Müller mögen angesichts der dünnen Personaldecke im Sturm noch Sinn machen, die Hintermannschaft ist dagegen nach dem völlig unnötigen Abgang von Lucio im Begriff, noch mehr Qualität einzubüßen.
Nach der erfolglosen Verpflichtung von Manuel Neuer hat man Rensing schließlich doch das Versetzungszeugnis ausgestellt - ein Fehler, wie das 1:0 von Ivanschitz am Samstag gezeigt hat. Dass die Verantwortlichen nach dem gescheiterten Neuer-Transfer nicht weiter am Transfermarkt tätig wurden erschließt sich mir höchstens dadurch, dass man mit Neuer bereits einen Vorvertrag geschlossen hat. Daniel van Buyten, bisher eher selten durch cleveres Stellungsspiel aufgefallen, zeigte beim Mainzer 2:0 ebenfalls, warum er seit Jahren allerhöchstens Ergänzungsspieler ist. Daniel van Buyten ist Teil des neuen Bermudadreiecks des FC Bayern, vor Rensing und neben dem noch unerfahrenen Holger Badstuber. Bleibt zu hoffen, dass Martin Demichelis bald wieder in die Mannschaft zurückkehrt, Luxustalent Breno stellt jedenfalls keine Alternative dar.
Eine Baustelle seit der letzten Saison: die rechte Abwehrseite. Man versuchte Borsingwa zu verpflichten - erfolglos. Der mit Donezk UEFA-Cup Sieger gewordene Srna? Nein Danke. Statt dessen zieht man Lahm auf die rechte Seite und experimentiert mit Neuzugang Pranjic - der sich mangels Perspektiven im linken Mittelfeld in der Abwehr versuchen darf. Ein Konzept sieht anders aus.
Das Konzept vermisst man auch im Mittelfeld: dem Versuch van Gaals mit einer Raute zu spielen dürfte Frank Ribery in der vergangenen Woche eine klare Absage erteilt haben. Der Monsieur möchte in seiner letzten Saison bei den Bayern links spielen und untermauert damit eindrucksvoll, wie abhängig der Verein von ihm ist. Van Gaal hat jetzt die "Alternative" Sosa, Müller oder Baumjohann als Spielmacher einzusetzen, evtl. noch mit Olic als hängende Spitze zu experimentieren oder die Raute aufzugeben und wie Klinsmann zum 4-4-2 mit Doppelsechs zurückzukehren.
Frank Ribery in dieser Saison abzugeben wäre die Chance für einen echten Umbruch und Sytemwechsel gewesen, zumal man den Verkaufserlös von vermutlich weit über 50 Mio. € in Spieler hätte investieren können, die dem FC Bayern weitergeholfen hätten. Entweder wollte man beim FC Bayern Muskeln zeigen und war allein aus diesem Grund nicht bereit, die Schlossalle abzugeben oder man war sich zu fein für Real Madrids Ausschussware, namentlich Rafael van der Vaart oder Wesley Sneijder.
Wir fassen zusammen: Lucio und Ze Roberto ohne Not abgegeben. Problemfall Ribery behalten. Die Hypotheken Breno, Sosa und Schweinsteiger durch Pranjic und Braafheid aufgestockt. Unsicherheitsfaktor Rensing darf weiter üben. Noch ist van Bommel verletzt - van Gaal wird also gegen Wolfsburg im Mittelfeld weiter improvisieren müssen. Bleibt zu hoffen, dass wenigstens Müller und Olic in die Startelf rücken und Klose endlich die Pause bekommt, um die er zu betteln scheint.
Geduld mit van Gaal
Ich geb's gerne zu: Geduld ist nicht gerade meine Stärke, gerade wenn's um die Bayern geht. Vermutlich geht's mir da genauso wie allen anderen Bayern-Fans, die am liebsten einen dominanten FCB sehen - von Spieltag 1 bis 34.
Als ich den neuen Spielplan 2009/10 sah, war ich überhaupt nicht begeistert: am 1. Spieltag auswärts gegen Hoffenheim, am 2. zuhause gegen Bremen und schon am 4. Spieltag gegen Wolfsburg - das lässt kein langsames warm werden zu - das setzt voraus dass die Mannschaft auf den Punkt eingespielt ist. Ein Ding der Unmöglichkeit bei einem neuen Trainer und 9 Neuzugängen. Einen Stotterstart wie in der vergangenen Saison hatte ich insgeheim auf dem Zettel, auch wenn ich nach den Vorbereitungsspielen gegen Mailand und ManU auf mehr gehofft hatte.
Gut, sowohl gegen Hoffenheim, als auch gegen Bremen wäre mehr drin gewesen aber als Weltuntergang würde ich den Saisonstart nicht bezeichnen. Rangnick hat seine Mannschaft wie üblich sehr gut gegen Bayern eingestellt - und dass auch in Hoffenheim die Bäume aufgehört haben in den Himmel zu wachsen hat man gegen Leverkusen gesehen. Schaaf weiss auch, dass man mit Hurra-Fussball in München nicht immer Glück hat und mit defensiven Konterfussball genau die richtige Taktik gewählt.
Louis van Gaal polarisiert wie der FC Bayern und genau deswegen mag ich ihn. Ich hoffe, er wird die Lücke füllen die Ottmar Hitzfeld hinterlassen hat und dem FC Bayern seinen Stempel aufdrücken - das Potential ein neuer Meilenstein zu werden hat er auf alle Fälle. Sein Vorgehen ist ruhiger und disziplinierter als das von Jürgen Klinsmann, man merkt ihm an dass er Erfahrung in Taktik und Menschenführung hat.
Nächste Woche geht's gegen Mainz - der erste 3er sollte hier gelingen und Selbstbewusstsein gegen das schwere Spiel gegen den eingespielten Meister aus Wolfsburg vermitteln.
Mario Gomez eröffnet den Transferreigen beim FC Bayern
Nun gut, überraschend kam der Wechsel von Mario Gomez an die Isar nach dem Ergebnis vom vergangenen Samstag nicht mehr: der VfB muss in die Champions League-Qualifikation und kann erst zu Beginn der neuen Saison planen - schlechte Karten also, um Deutschlands besten Stürmer zum bleiben bewegen zu können.
Inwieweit die Investition von 30 Mio. Euro in einen Stürmer Sinn macht, müssen sich die Verantwortlichen beim FC Bayern gut überlegt haben. Ich könnte mir vorstellen, dass man mit der Flucht Luca Tonis nach Italien rechnet und diesen Transfer eingeplant hat, zumal Mario Gomez ein Stürmer mit ähnlicher Spielanlage ist und gesetzt sein dürfte.
Auch ein Wechsel Franck Riberys ist noch nicht gänzlich von Tisch: Olic könnte als hängende Spitze agieren, Schweinsteiger wäre auf der linken Seite ebenfalls eine Option. Rechts liebäugelt Louis van Gaal mit seinem Landsmann Wesley Sneijder. So sehr sich der Franzose in die Herzen der Fans gespielt hat, so stark ist auch die Abhängigkeit der Bayern von seiner Genialität - eine starke rechte Seite tut Not.
In Bayerns Hintermannschaft dürften die Tage von Christian Lell wohl gezählt sein: KSC-Rückkehrer Andreas Görlitz steht als Neuzugang bereits fest, Darijo Srna vom UEFA-Cup Sieger Donezk steht auf der Wunschliste, ebenso wie Schalkes Manuel Neuer. Ob letzterer den Fans zu vermitteln ist, bleibt allerdings abzuwarten: mag man ihm seine Anspielung auf den euphorisierten Oliver Kahn nach dem Gewinn der Meisterschaft 2001 noch als Jugendsünde verzeihen, so ist die Person Neuer doch sehr stark mit Schalke verbunden. Publikumslieblinge haben aber im Bayern-Tor Tradition, daher sollte sich die Bayern-Führung gut überlegen, ob man Michael Rensing nicht etwas mehr Zeit geben sollte.
Der FC Bayern hat mit dem Transfer von Mario Gomez wieder ein Ausrufezeichen gesetzt, die Sommerpause verspricht unterhaltsam zu werden. Ich jedenfalls freue mich auf weitere Transfers und eine erfolgreiche Saison 2009/10.