Cash Cow Apple-User: das neue iPhone bei der Telekom
Morgen ist es mal wieder soweit: bei der Telekom kann man es vorbestellen, das neue iPhone 4. Schon vorab ist durchgesickert, dass die Tarife wohl gleich bleiben werden - nur an den Telefonen möchte man gerne etwas mehr verdienen.

Das iPhone 4 bei der Telekom: es darf etwas mehr sein.
Aus Sicht der Telekom muss der Apple-User wohl als beispielloser Glücksfall gelten: während andere Mobilfunkprovider fürchten ihre Kunden zu verlieren, wenn diese nur die Chance wittern ihre Handies für 1,99€ weniger im Monat abstottern zu dürfen, traut sich die Telekom für Zusatzdienste wie Tethering oder Voice over IP astronomische Preise zu verlangen. Der Gipfel der Schamlosigkeit: anstatt iPhone-Bestandskunden, die sich ein iPad gekauft haben einfach mit einer zusätzlichen SIM-Karte zu versorgen versucht man ihnen einen zusätzlichen Datentarif anzudienen - mit 24 Monaten Vertragslaufzeit, versteht sich.
Als Apple das iPhone 2007 eingeführt hat, war EDGE de facto die einzige Option für eine permanente mobile Internetverbindung. Die Telekom konnte als einziger Mobilfunkprovider eine nahezu flächendeckende Versorgung mit EDGE anbieten. Wer weiß welche Marktdurchdringung das iPhone heute hätte, wenn Apple sich vor 3 Jahren nicht dazu entschlossen hätte, die iPhones exklusiv und subventioniert über ausgewählte Partner zu vertreiben. Auch die Tarife waren halbwegs akzeptabel - zumindest wenn man bedenkt, dass man seinerzeit die Datenoption i.d.R. gesondert bezahlen musste und so leicht auf das Niveau der Telekom-Tarife kam. Ich habe jedenfalls damals den Wechsel zur Telekom (nach 15 Jahren Vodafone) nicht bereut.
Heute ist das mobile Internet Standard und die Tarife und Vertragsbedingungen der Telekom sind meines Erachtens schlicht frech. Dass es anders geht, beweist z.B. O2: Flexibilität anstatt Knebelverträge, clevere Tarifoptionen anstatt altmodische Gesprächs- und SMS-Pakete. Bei der Telekom hat man sich offensichtlich komfortabel in der Apple-Hängematte eingerichtet und glaubt, von der Popularität der Apple-Produkte auf absehbare Zukunft mitprofitieren zu können. Ein Schuß, der leicht nach hinten los gehen könnte: auch Apple-User lassen sich nicht beliebig melken.
Für mich kommt in Zukunft nur noch ein Netlock-freies, nicht subventioniertes iPhone in Frage - mit einem Tarif der es mir erlaubt, nach Bedarf neue Trends und Technologien nutzen zu können.
Update 15.6.: Im französischen bzw. engl. Apple Store sind die Geräte vertrags- und Netlock-frei für 629 Euro (16GB) bzw. 739 Euro (32GB) erhältlich. Na bitte, geht doch. Es dürfte also nicht lange dauern, bis die Geräte als Import-Geräte auch hierzulande verfügbar sind. (via @fscklog)
Die Google Street View Paranoia
Seit dem Streit um gesperrte Internetseiten im Kampf gegen Kinderpornographie habe ich eines gelernt: die breite Öffentlichkeit hat von der Funktionsweise des Internets in etwa soviel Ahnung wie von Astrophysik, Molekularbiologie oder Differentialrechnung. So ist es nicht verwunderlich, dass die Berichterstattung um Google Street View in den Medien im allgemeinen reißerisch, die Aussagen der Politiker weitgehend unzutreffend und die Reaktion der breiten Masse überwiegend ablehnend ist. Otto Normalsurfer googelt zwar gerne nach Schweinkram und Softwaredownloads, vor dem heimischen Jägerzaun aber hört der Spaß auf.
Bei Google Street View erkennt man im Grunde nichts, was man nicht auch von der Straße aus sehen könnte. Daher wundert es nicht wirklich, dass kein Gesetz das fotografieren und veröffentlichen von Gebäuden verbietet, Wohnhäuser eingeschlossen. Verbraucherministerin Aigner sieht das anders und hat dem Internetriesen ein Widerspruchsrecht abgerungen, nach ihren Worten um "nicht auf dem Präsentierteller der digitalen Welt" zu landen. Vielleicht hätte es Google einfach cleverer anstellen und Street View zu einem Wettbewerb um den schönsten Vorgarten deklarieren sollen - die Aufregung wäre vermutlich halb so groß gewesen. So werden seitens der Politik und der Medien lieber Vorurteile bedient und Ängste geschürt.
Das Amtsblatt Filderstadt weist z.B. in der Ausgabe vom 21.5.2010 auf Seite 2 rot umrandet auf das Widerspruchsrecht hin - natürlich ohne über den Dienst per se aufzuklären. Warum sollte man auch wissen, wogegen man Widerspruch einlegt?
Wer sich nach dem Besuch des Apple Stores in der 5th Avenue nach einem Straßencafé umsehen möchte, kann das z.B. hier tun. Wer sich in Deutschland dafür interessiert, in welche Gegend er zieht oder wie die neue Schule der Kinder aussieht könnte das in Zukunft auch. Wer argumentiert, dass sich Street View als Hilfsmittel für Einbruchsstreifzüge mißbrauchen lässt, müsste ebenso konsequent das Auto als Fluchtfahrzeug für Banküberfälle oder das Mobiltelefon als Hilfsmittel für Drogenhändler verbieten.
Ich halte Datenschutz für wichtig und notwendig. Niemand sollte über Street View identifiziert werden können, weder im Vorgarten sitzend noch beim Verlassen der Arztpraxis. Ein Haus betrachte ich aber als öffentlich - was ich beim vorbeigehen erkennen kann, sehe ich nicht mehr als schützenswerte Privatsphäre an. Wer auf totale Abschottung Wert legt, sollte den Jägerzaun gegen eine Hecke eintauschen.
Der Bratmaxe und andere Grausamkeiten
Die Grillsaison ist kaum angebrochen, schon schallt uns der "Bratmaxe-Song" aus allen Kanälen entgegen. "Ganz Deutschland singt den Bratmaxe-Song", zumindest hätte Hersteller Meica das gerne. Ganz Deutschland? Nein, nur Tim aus Rostock, Guido aus Soest oder Familie Weber aus Mainz. Der Rest Deutschlands rätselt, welchen Torturen Meicas Werbedarsteller wohl ausgesetzt wurden, um derart schauerliche Töne absondern zu können. Sicher ist ihnen auf jeden Fall, für den Rest ihres Lebens als Bratmaxe gebrandmarkt und verspottet durchs Leben gehen zu müssen.
Betrachtet man Internet-Communities wie Facebook, befindet sich der Bratmaxe in guter Gesellschaft mit anderen Werbe-Quälgeistern: Carglass rechnet vermutlich damit, dass die Zuhörer der Werbespots aus Verzweiflung ihren Kopf gegen die Scheiben ihrer Fahrzeuge donnern (oder einen der dialektsprechenden Mitarbeiter aus der Werbung) und Seitenbacher ist nicht gut für die Verdauung, sondern verursacht Bluthochdruck - bei mir zumindest.
Dass es auch besser geht, zeigte der MediaMarkt vor Jahren mit Joachim Steinhöfel als Werbefigur - an die Spots erinnere ich mich heute noch. McDonalds Spots waren vor dem unsäglichen "Ich liebe es"® mal witzig. Auch Nullinger und Fieslinger von der Sparda-Bank zeigen, dass man den Leuten nicht mit der gleichen Werbebotschaft wieder und wieder auf den Wecker gehen muss - die Halbwertszeit der Spots ist erfreulich gering.
Nun verfolgen Meica, Seitenbacher oder Carglass ganz sicher nicht das Ziel, ihre Kundschaft zu unterhalten. Wenn Werbung aber derart an den Nerven rüttelt, dass man während deren Ausstrahlung schneller den Sender wechselt als beim Auftauchen von Bill Kaulitz bleibt nur zu hoffen, dass der erwünschte unbewusste Erinnerungseffekt in einen bewussten Vermeidungsreflex umschlägt. Da Bratmaxe, Carglass und Seitenbacher uns jedoch schon seit Jahren mit ihren Spots terrorisieren ist zu befürchten, dass die Werbebotschaft bei einem gewissen Teil der Bevölkerung Wirkung zeigt. Eine grausame Vorstellung...
Der Meister der Schmerzen
Die Bundesligasaison 2009/10 ist auf der der Zielgeraden und nie war es so spannend wie in diesem Jahr: Schalke schließt zu Bayern auf... alles Unsinn. Bayern wird Meister, und hier erfahrt ihr warum. Wer sich die Spannung erhalten will, sollte also jetzt nicht weiter lesen.
Denkbar sind eigentlich nur 2 Szenarien.
- Während der FC Bayern, mit dem Rückenwind vom geschafften Finaleinzug in der Champions League Bochum zuhause mühelos verputzt (sorry liebe Bochumer, aber hier muss die Fan-Freundschaft für einen Tag ruhen), läßt sich Schalke vom heimischen Bierhallenpublikum am 33. Spieltag ins Bremer Messer jagen und verliert. Bayern ist Meister, kurz und schmerzlos.
- Wie oben gewinnt Bayern gegen Bochum, Schalke liefert sich aber einen erbitterten Schlagabtausch mit Bremen, der 2:2 endet. Vor dem letzten Spieltag brauchen die Bayern also nur noch ein Unentschieden gegen die bereits abgestiegenen Berliner, um den ersten von drei Titeln einzufahren. Es läuft jedoch zäh im Berliner Olympiastadion. Während Schalke am Bruchweg bereits nach 20 Minuten 2:0 führt, passiert in Berlin das scheinbar unmögliche: in der 83 Minute schießt Gekas das 1:0 und Schalke steht in der Blitztabelle oben. Das zerfahrene Spiel befindet sich bereits in der Nachspielzeit und während in Mainz bereits abgepfiffen wurde, bekommt Bayern einen Freistoß an der Strafraumgrenze. Es ist die letzte Aktion des Spiels und zum Freistoß tritt Robben an...
Wie das in etwa aussehen könnte:
Und wie geht's weiter? Das Magath-Interview nach dem Pfefferminztee-Besäufnis, Kevin Kuranyi brüskiert Jogi Löw mit Nusspli-Werbespot und auch 2010 ist ein gutes Jahr, um Geschichte zu schreiben.
