Uli Hoeneß – Respekt für einen Straftäter?

16 Mrz
16. März 2014

Über Uli Hoeneß wurde in der vergangenen Woche alles gesagt – und noch darüber hinaus. Er hat Steuern hinterzogen, stand dafür trotz Steuergeheimnis fast ein Jahr lang öffentlich am Pranger und ist jetzt dafür verurteilt worden. Damit sollte eigentlich allen, wirklich allen Genüge getan sein: das Münchner Landgericht hat ein Urteil “im Namen des Volkes” gesprochen.

Aber es gibt Ausnahmen:

Ich habe Verständnis, wenn so ein Tweet von einem unterbelichteten Bayern-Hasser kommt. Von einem profilierten Journalisten hätte ich mir aber mehr erwartet. Warum soll man vor der Entscheidung eines Straftäters zu seinem Fehler zu stehen und die Verantwortung dafür zu übernehmen keinen Respekt haben? Hat unser Rechtssystem nicht die Aufgabe zu resozialisieren? Zu den Prinzipien des Rechtsstaats, den Uli Hoeneß jahrelang missachtet hat, zurückkehren zu wollen ist aber der erste Schritt zur Resozialisierung und hat in meinen Augen durchaus Respekt verdient. Es sei denn, es geht gar nicht um Gerechtigkeit, sondern um persönliche Genugtuung.

Mein erster Androide

06 Mrz
6. März 2014

Nein, kein Systemwechsel… Not macht bekanntlich erfinderisch: mein wöchentliches Saunaritual wird zukünftig ohne mein iPhone stattfinden (müssen). Mobiltelefone mit Kamera sind in Saunabereichen nicht gerne gesehen, um nicht zu sagen verboten. In meiner Sauna ist es schon vorgekommen, dass bei Beschwerden von Gästen die Polizei gerufen und das Gerät konfisziert wurde, um es auf Fotos zu untersuchen. Darum muss nun eine Lösung her, die im Wellnessbereich keinen Ärger macht und trotzdem vernetzt ist. Weitere Anwendungsbereiche könnte ich mir in Unternehmen mit paranoidem Werkschutz vorstellen.

Smartphones oder Tablets ohne Kamera zu finden ist praktisch ein Ding der Unmöglichkeit. Meine Wahl fiel daher nach langer Suche auf ein 2012er Kindle Fire HD 7″. Die Dinger sind spottbillig, da Amazon die Hardware in Erwartung künftiger AppStore-Umsätze kräftig subventioniert. Noch günstiger wird’s, wenn man ein generalüberholtes Gerät nimmt – hier ist man mit 99€ dabei. Dafür bekommt man ein Einstiegs-Tablet mit Amazons Vorstellung einer Benutzeroberfläche: ein verkrüppeltes Android mit “Spezialangeboten”, die man gegen Zahlung von zusätzlichen 15€ los wird.

Kindle Fire

Der Kindle im Ursprungszustand…


Das kann man machen, muss man aber nicht. Mit etwas Frickelei (aka “rooten” und Installation von Custom-ROMs) befreit man den Kindle von seiner klebrigen Benutzeroberfläche und erhält nach ca. 30-40 Minuten ein Android-Tablet mit CyanogenMod 10.1 auf Basis Jelly Bean (Android 4.2.2). Bequemer geht’s mit N2AOS.
Kindle Android

…und mit Android


Mein erster Eindruck: verglichen mit einem iPad der aktuellen Generation fühlt sich der Kindle klobig und schwer an, das war allerdings nicht anders zu erwarten. CyanogenMod läuft ohne Probleme, wenn auch nicht schnell. Bücher lesen, Musik hören mit Spotify, Twitter und Facebook geht aber gut.

Wer die günstige Amazon-Hardware zum Android-Tablet umbauen möchte, sollte aber einen Bogen um die 2013er Geräten machen: das Rooten geht zwar, es gibt aber noch keine Custom-ROMs.

WhatsApp Aftermath

22 Feb
22. Februar 2014

War doch interessant, welche Wellen der WhatsApp-Deal die letzten Tage geschlagen hat und welche Meinungen und Vorurteile sich so gebildet haben.

1) Der Kauf

Facebook zahlt “nur” 4 Milliarden US$ in Cash für WhatsApp. Der Rest wird in Aktien gezahlt, d.h. es ändern sich in erster Linie die Beteiligungsverhältnisse an Facebook. Über den Deal gemault haben also in erster Linie die Investoren. Zuckerberg zahlt WhatsApp zum größten Teil mit Geld, das er ohnehin nur auf dem Papier besitzt. Natürlich sind 4 Milliarden US$ auch absurd viel Geld, rücken den Deal aber doch in andere Dimensionen.

2) Die Privatsphärediskussion

Die Meinungen gehen doch ziemlich auseinander zwischen denjenigen, denen das alles ziemlich egal ist und weitermachen wie bisher und denjenigen, die zu einem anderen Messenger wechseln wollen oder gewechselt sind.

WhatsApp hat, glaubt man den Schätzungen im Netz, ca. 30 Millionen Nutzer in Deutschland. Threema konnte seine Benutzerzahl nach dem WhatsApp-Deal verdoppeln und kommt jetzt auf ca. 400.000 Benutzer. Das sind lächerliche 1,3%. Jetzt anzunehmen, am Nutzerverhalten würde sich angesichts dieser Zahlen irgendetwas nachhaltig verändern, ist natürlich albern.

Was mich und meine private(ste)n Daten angeht: ich bin da ausgeprägt egoistisch. Mir ist es völlig egal, ob und wer die Nachrichten dieser 30 Millionen WhatsApp-User ausliest, speichert, auswertet und weiterverhökert. So lange meine nicht dabei sind.

Ich habe mir Threema letztes Jahr im Juni installiert, weil WhatsApp schon damals eklatante Mängel in puncto Sicherheit hatte. In meinem persönlichen Umfeld verbreitet sich so eine App schnell und darum erreiche ich auch eine große Anzahl meiner Kontakte über Threema. Ich habe WhatsApp nicht deinstalliert und nutze natürlich auch Facebook. Meine Daten wandern also auch auf deren Server. Allerdings nur Daten, die, wie auch auf diesem Blog, öffentlich sind.

3) Die Technik

Threema funktioniert im Wesentlichen wie verschlüsselte Mail. Bei der Installation der App wird ein privater und ein öffentlicher Schlüssel erzeugt. Mit dem privaten Schlüssel wird ver-, mit dem öffentlichen entschlüsselt. Verschlüsselt sind grundsätzlich alle Nachrichten. Lediglich die Verifizierung der Kontakte, die über den öffentlichen Schlüssel verfügen (also alle Nachrichtenempfänger), erfolgt über drei Stufen: rot bedeutet keine Verifizierung, bei orange erfolgte die Verifizierung über das Adressbuch und bei grün über eine Prüfsumme, die in einem QR-Code enthalten ist. Der QR-Code ist also KEIN Schlüssel!

Natürlich ist auch Threema nicht 100%-ig sicher. Hält man es mit Fefe, kann man mobilen Plattformen per se nicht vertrauen. Diese Ansicht kann man natürlich vertreten. Die Verschlüsselung von Threema ist validierbar und ich halte sie für hinreichend sicher. Unter hinreichend verstehe ich, dass einzelne Individuen und Firmen während der Nachrichtenübermittlung nicht auf deren Inhalt zugreifen können. Anders sieht das bei Nachrichtendiensten und Strafverfolgungsbehörden aus und auch dem Betreiber glaube ich nur, dass er meine Daten nicht benutzen möchte. Da die App aber prinzipiell auf meinen privaten Schlüssel zugreifen kann wäre durchaus der Fall gegeben, dass Dritte Zugang zu meinen Nachrichten erhalten könnten. Allerdings ist dieser Aufwand ungleich höher als bei WhatsApp und ein Geschäftsmodell, das auf Datenprofiling basiert wäre so erst recht nicht möglich.

tl;dr: Wäre der kritischen Masse der Umgang mit ihren Daten nicht egal, gäbe es auch kein Geschäftsmodell, das auf deren Ausbeutung basiert. So bleibt alles, wie es ist.