TwitterFon und Tweetie – zwei Twitter Clients für das iPhone im Vergleich

07 Mai
7. Mai 2009

Mit dem iPhone macht Twittern richtig Spass – und mit TwitterFon und Tweetie hat man mittlerweile die Qual der Wahl: beide Clients bieten umfangreiche Funktionen, lassen aber auch Wünsche offen.

TwitterFon

Twitter Friends TimelineTwitterFon dürfte auf dem iPhone der meistverbreiteste Twitter Client sein – und das aus gutem Grund: er verfügt über nahezu alle Funktionen, die man zum twittern braucht, bietet eine ansprechende Darstellung und ist darüber hinaus kostenlos. Die Benutzerführung orientiert sich an den Funktionen der Website und ist sehr intuitiv. Sofort nach dem Öffnen der Anwendung sieht man, ob neue Tweets in den Timelines Friends, Mentions oder Messages eingegangen sind. Praktisch ist, dass dieses Ladeverhalten und die Aktualisierungszeiträume konfigurierbar sind.

Twitter Thread AnsichtDas Erstellen von Tweets geht einfach auf Knopfdruck, als Bilderdienst wird TwitPic unterstützt. Ausserdem kann der aktuelle Standort ins Benutzerprofil übernommen werden – eine Funktion, die aufgrund der Darstellung in geographischer Länge und Breite allerdings wenig Aussagekraft hat.

Das Herzstück von Twitter, die Suche, ist hervorragend integriert: ein Klick auf einen mit Hashtag ausgekennzeichneten Begriff im Tweet startet automatisch die Suche, Suchbegriffe werden gespeichert und können bei Bedarf wieder verwendet werden. So kann man aktuellen Themen bequem folgen.

Ein Klick auf einen Tweet öffnet eine Maske mit weiterführenden Optionen: öffentlicher Reply, Direct Message sowie die Möglichkeit, Links zu folgen sind vorhanden. Sehr übersichtlich ist auch die Ansicht von Konversationen als Thread.

TwitterFon erlaubt das Folgen und Ent-Folgen, leider aber nicht das Blocken von Usern. Schön wäre auch, wenn der direkte Aufruf individueller Timelines möglich wäre: bisher muss man sich einen Tweet des Benutzers suchen, auch wenn man auf das eigene Profil zugreifen möchte. Schade ist auch, dass nur mit einem Account gearbeitet werden kann. TwitterFon ist nur in einer englischen Version verfügbar.

Tweetie

Tweetie Friends TimelineTweetie ist ein relativ neuer Twitter Client und verfügt über eine ähnliche Benutzeroberfläche wie TwitterFon. Auf den ersten Blick fällt jedoch die optisch ansprechendere Gestaltung auf – im Einstellungsmenü stehen drei verschiedene Themes zur Auswahl.

In der Tat ist Tweetie TwitterFon im Funktionsumfang weit überlegen. Es hat den Anschein, als hätten die Entwickler TwitterFon zum Vorbild genommen und um praktische Funktionen erweitert: Tweetie unterstützt mehrere Twitter Accounts, erlaubt das Blocken von Usern, bietet eine praktische Funktion zur vergrösserten Darstellung von Profilbildern, eine Landscape-Tastatur und auch das Handling von Tweets wie z.B. Replies oder Links ist genial einfach gelöst.

Tweetie TabPraktisch ist auch, dass man schnell zum eigenen Profil oder zur Timeline anderer Benutzer springen kann – Twitterer mit viel Gefolgschaft werden das zu schätzen wissen. Tweetie unterstützt neben den Bilderdiensten TwitPic, yFrog und Mobypicture die Funktion Bilder zu komprimieren, bietet die Möglichkeit Tweets per Email zur versenden und URL’s zu verkürzen. In der jüngsten Version 1.2 wurde Instapaper Support implementiert.

Bei soviel Licht bleibt leider der Schatten nicht aus: eine Thread-Darstellung von Konversationen gibt es bei Tweetie nicht, gerade bei Direct Messages fällt das ins Gewicht. Ein echtes Manko stellt das Tweethandling bei neuen Tweets dar: Tweetie verfügt über keine automatische Aktualisierung der Tweets, die Timeline, Antworten und Direct Messages müssen manuell aktualisiert werden. Das ist besonders lästig, weil der Refresh-Button wertvollen Platz raubt.

Tweetie kostet 2,39€ und ist in einer deutschen Version erhältlich.

Fazit

Wer auf den erweiterten Funktionsumfang und den deutschen Client Wert legt, dürfte mit Tweetie besser fahren. Ich persönlich bin nach anfänglicher Begeisterung wieder zu TwitterFon zurückgekehrt, weil mir die Thread-Funktionalität und die automatische Aktualisierung wichtig sind. Unter dem Strich dürften wohl persönliche Präferenzen den Ausschlag geben, welcher Client der richtige ist. Wer TwitterFon zuerst ausprobiert, macht auf keinen Fall etwas falsch.

Zensursula für Laien

02 Mai
2. Mai 2009

Das Bundeskabinett hat in der der vergangenen Woche den von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen eingebrachten Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen verabschiedet. Warum das notwendig war, das erklärt uns Frau von der Leyen dankenswerterweise in einem Radiointerview:

Wir wissen, dass bei den vielen Kunden, die es gibt, rund 80 Prozent die ganz normalen User des Internets sind. Und jeder, der jetzt zuhört, kann eigentlich sich selber fragen, wen kenne ich, der Sperren im Internet aktiv umgehen kann. Die müssen schon deutlich versierter sein. Das sind die 20 Prozent. Die sind zum Teil schwer Pädokriminelle. Die bewegen sich in ganz anderen Foren. Die sind versierte Internetnutzer, natürlich auch geschult im Laufe der Jahre in diesem widerwärtigen Geschäft.

Hier offenbart sich das gesammelte Fachwissen von Frau von der Leyen zum Thema Kinderpornographie. Knallharte Fakten, messerscharf recheriert.

Wir wissen jetzt also, dass 80% Prozent der Internetuser “ganz normal” ist und nur 20% aus potentionellen padöphilen Schweinigeln besteht. Das beruhigt. Während man also den 80% der “normalen” Surfkundschaft mit einem Stop-Schild wieder auf den Pfad der Tugend zurückhelfen kann, bedarf es für die übrigen 20% härterer Bandagen.

Ich möchte Frau von der Leyen keine Dummheit unterstellen und schreibe ihren polemischen Unsinn daher dem Wahljahr 2009 zu. Das würde auch erklären, wem ihr Gesetzentwurf helfen würde: den Kindern, die von Eltern und deren Bekannten, Lehrern oder Geistlichen sexuell missbraucht werden, sicher nicht. Auch nicht den Kindern in Entwicklungsländern, die durch Kinderprostitution und Sextourismus ausgebeutet werden.

Nein, die einzige, die von dem Gesetzentwurf profitieren sind Frau von der Leyen und die CDU, die sich die Unwissenheit und Gleichgültigkeit der breiten Masse der Wähler zunutze macht. Ich würde mir wünschen, dass Frau von der Leyen in ihrer Familie ähnliche Hilfe zuteil wird, vielleicht von Ihrem Mann: “Schatz, ich kann nicht sehen wie du dich abarbeitest – mach doch bitte die Tür zu”.

Jürgen Klinsmann und das Ende des Bayernmärchens

28 Apr
28. April 2009

Es kam, wie es nach den zuletzt schwachen Leistungen in der Liga und der Champions League kommen musste: am Montag, den 27.4. wurde Trainer Jürgen Klinsmann nach der 7. Saisonniederlage entlassen – ein richtiger Schritt.

Das Fazit der gut 300 Tage andauernden Ära Jürgen Klinsmann ist schnell gezogen: Leistungsträger wie Demichelis, Schweinsteiger, Toni oder Ribery haben sich nicht verbessert, sondern verschlechtert. Talente wie Podolski, Jansen oder Kroos konnten oder wollten nicht integriert werden. Taktische Veränderungen wurden nicht umgesetzt – schnell wurde auf das bewährte 4-4-2 System Ottmar Hitzfelds zurückgegriffen, um die Hinrunde nicht komplett aus der Hand zu geben. Auf der Habenseite ist lediglich das Leistungszentrum zu verbuchen.

Natürlich könnte man jetzt anführen, das System Klinsmann bräuchte mehr Zeit. Vergessen darf man dabei aber nicht, dass bei Verfehlen des Saisonziels Champions League Stars wie Ribery schwer zu motivieren sein dürften – an eine Vertragsverlängerung gar nicht zu denken. Dazu kommen finanzielle Ausfälle, die notwendige Verstärkungen in größerem Rahmen schwer machen. Wenn man sich den Verlauf der Saison ansieht, hat sich das Management sogar erstaunlich lange hinter Klinsmann gestellt.

Wer Bayern-Vorstandsmitglied Helmut Markwort in der Sondersendung der ARD zum Rauswurf Jürgen Klinsmanns genau zugehört hat, konnte zwischen den Zeilen folgendes heraushören:

  1. Das Verhältnis der Mannschaft zum Trainer war gestört. Gründe hierfür waren u.a. Mark van Bommel’s Verbannung auf die Bank, der Hickhack um Landon Donovan der als “Spitzenspieler” in die Mannschaft integriert werden sollte und zuletzt die Massnahme gegen Michael Rensing.
  2. Klinsmann’s Engagement wäre aller Wahrscheinlichkeit nach auch beendet gewesen, wenn er die Schale gewonnen hätte. Zu nachhaltig waren die Demütigungen zuhause gegen Bremen und Schalke sowie auswärts gegen Leverkusen, Wolfsburg und Barcelona. Das Tischtuch zwischen den Fans, die zum größten Teil von Anfang skeptisch waren und Klinsmann war zerschnitten.

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass der Sprung an die internationale Spitze für den neuen Trainer in der Saison 2009/10 eine Herkulesaufgabe darstellen dürfte. National wird am FC Bayern aber auch in Zukunft wohl kein Weg vorbeiführen.

Bleibt die Bundesliga: es ist noch alles drin in der Meisterschaft. Meine Dramaturgie für die letzten 5 Spieltage: der VfB Stuttgart holt Magath’s Wölfe am 31. Spieltag vom Thron und am 34. Spieltag gibt es ein Endspiel um die Schale in der Arena. Und als Bayern-Fan drücke ich der Mannschaft inkl. Jupp Heynckes die Daumen.