Närrische Tage beim FC Bayern
Zwei Persönlichkeiten beschäftigen derzeit den FC Bayern. Der eine ist noch gar nicht da, der andere vermutlich bald nicht mehr: Manuel Neuer und Louis van Gaal.
“Koan Neuer” war auf den Transparenten der Ultras beim Pokalhalbfinale gegen Schalke zu lesen, eine Aktion, für die sich der Vorstand postwendend bei Neuer entschuldigt hat. Ich halte diese Forderung in etwa so sinnvoll wie die der Giesinger Fußballfans nach der Rückkehr der Löwen ins Grünwalder Stadion. Natürlich sind die Torhüter des FC Bayern traditionell stark mit dem Verein verwurzelt gewesen. Meier, Pfaff, Aumann oder Kahn – sie alle repräsentierten und prägten den FC Bayern. So wie Neuer den FC Schalke 04. Man kann Schalke mögen oder nicht, aber ein Grund Neuer deshalb nicht zu verpflichten weil er ein Königsblauer ist, ist das nicht. Neuer wird Schalke verlassen, weil er als Nationalspieler nach besseren Perspektiven Ausschau hält. Bei ihm steht die Beletage des internationalen Fußballs Schlange. Nicht wenigstens zu versuchen, einen solchen Spieler nach München zu holen wäre ein Fehler. Fußballspieler sind heute in erster Linie Profis und keine Folkloreartikel. Manuel Neuer wird auch beim FC Bayern gute Leistungen zeigen, so wie z.B. Thomas Linke (ebenfalls Schalker) oder Jens Jeremies, den man von 1860 geholt hat.
Vom Vorstand derzeit weniger nachgefragt als Manuel Neuer ist nach der dritten Pflichtspielpleite in einer Woche Problembär Louis van Gaal. Nachdem er von Uli Hoeness bereits im Herbst sturmreif geschossen wurde, lassen ihm die gestrigen Worte des Präsidenten man müsse jetzt “handeln, nicht reden” nur wenig Hoffnung auf einen Verbleib in München. Für Hoeness hat der Traum, mit Bayern im Champions League Finale 2012 in München zu stehen, oberste Priorität.
Van Gaal polarisiert, aber er hat den FC Bayern deutlich weiter gebracht als seine Vorgänger. Badstuber, Müller oder Kraft – seine Ideen. Die Trennung von Demichelis – überfällig, vor allem wenn man an das Champions League Finale in Madrid denkt. Auch scheint die Mannschaft hinter ihm zu stehen, was Magath und Klinsmann nicht für sich reklamieren konnten.
Sein Problem ist sicher, dass nach der außergewöhnlichen letzten Saison die Erwartungshaltung in München riesengroß war. Vom Gewinn der Champions League und einer neuen Ära war die Rede. So ließ er sein Erfolgssystem zu lange unverändert, obwohl ihm dessen Motor, Arjen Robben, nicht zur Verfügung stand. Das Hauptproblem in dieser Saison, nämlich die desolate Hintermannschaft, kann man van Gaal aber nicht alleine anlasten. Pranjic und Breno sind nicht Bayern-tauglich. Badstuber und Lahm können nicht an ihre Form des letzten Jahres anknüpfen, Gustavo erweist sich ebenfalls nicht als die Lösung für die linke Abwehrseite. Und Ribery? Der Franzose scheint es sich in seinem 5-Jahresvertrag bequem eingerichtet zu haben.
Als Nachfolger für van Gaal werden Sammer und Rangnick gehandelt. Letzteren halte ich für unwahrscheinlich, da völlig inkompatibel zu Uli Hoeness. Sammer lebt in München und wäre sicher kurzfristig vom DFB loszueisen. Im Erfolgsfall könnte er im Sommer einen Vertrag bekommen und einkaufen gehen. Auf dem Einkaufszettel dürften neben Manuel Neuer und Mats Hummels sicher noch ein weiterer Innenverteidiger und ein Linksverteidiger stehen.
Ich würde mir wünschen, dass man mit van Gaal weiter macht und nach der Saison resümiert. Man darf gespannt sein, wie der Kehraus beim FC Bayern aussieht.

