Deutschland sucht den Supervollpfosten
Nachdem es zur liebgewonnenen Tradition geworden ist, sich im Web 2.0 über Sendungen wie “Bauer sucht Frau”, “Popstars” und “Germany’s Next Topmodel” auszutauschen habe ich mich gestern auch auf den Start der 7. Staffel “Deutschland sucht den Superstar” gefreut – sozusagen der Klassiker unter den Reality Soaps. Habe ich früher noch ein weiten Bogen um diese Formate gemacht, konnte ich letztes Jahr dank Twitter und Facebook selbst diesen als “Unterschichten-Fernsehen” bezeichneten Sendungen etwas komisches abgewinnen – die Kommentare aus dem Web sind eben einfach genial und eine Klasse für sich.
Was RTL aber gestern in DSDS geboten hat war mir zuviel. Ich habe im Grunde kein Problem damit, wenn sich volljährige Menschen vor einem Millionenpublikum zum Deppen machen, sie werden ja nicht dazu gezwungen. Für mich hört der Spaß aber dann auf wenn Menschen in der Sendung gedemütigt werden denen offensichtlich die Einschätzung ob sie bei DSDS teilzunehmen sollen nicht zuzutrauen ist wie z.B. dem Kandidaten, der mit vollgepinkelter Hose vor der Kamera stand. Ebenso wie man heute erwarten kann, dass man sich im Fernsehen nicht über Behinderte lustig macht hätte man hier verhindern können, dass ein Kandidat zum potentiellen Mobbing-Opfer gemacht wird.
Vor etwas über einem Monat hat die Nation erschüttert von Robert Enke Abschied genommen. Gelernt hat man daraus offenbar nichts. Es ist völlig gleichgültig, welche Schicksale einzelne erleiden müssen, solange das Produkt Fernsehen Millionen mit billiger Unterhaltung und Werbung versorgt. Vermutlich wird man wieder erst dann umdenken wenn die BILD Zeitung in großen Buchstaben vermeldet hat, dass sich ein Kandidat aus dem Zirkus Maximus wegen Depressionen aufgrund anhaltenden Mobbings das Leben genommen hat.
