Der Berg kreißte und gebar – ein iPhone 4S. Kein “5er” mit neuem, iPad-ähnlichem Formfaktor… nein, es gab nur ein schnödes 4S. Gut, das ist deutlich schneller und bekommt eine bessere Kamera – aber es war trotzdem irgendwie, als hätte es Socken zur Bescherung gegeben.
Ach ja, Siri. Ein sprachgesteuerter Assistent, dem man sein Anliegen jetzt einfach diktiert und schon sagt er, wie das Wetter wird und legt Termine an. Nett. Aber reizt mich gar nicht. Ich tippe lieber und spare mir das Upgrade. Und iOS 5 kommt am 12.10. – das ist rockt alleine mehr als ein paar Megapixel hier und Megahertz dort.
Seit dem 3. März ist Schluß mit lustig: mit der Version 3.3 führt Twitter Werbung auf den iOS-Clients ein und geht damit den Usern massiv auf die Nerven. Ein Update ist bereits im App Store eingereicht, ausschalten lassen wird sich das unbeliebte Feature aber wohl nicht.
Twitter submitted an update to Apple yesterday for our iPhone app. It fixes some bugs & makes it so the quickbar doesn't overlay on Tweets
Die “Dick Bar”, benannt nach Twitter-Chef Dick Costolo, überlagert die Timeline mit einem aufdringlichen schwarzen Balken, der neben den “trending Topics” auch Werbetweets einblendet.
Wirklich überraschend kam das nicht. Mit einem kostenlosen Dienst und kostenlosen Clients läßt sich nun mal kein Geld verdienen. Früher oder später war also mit Werbung in der einen oder anderen Form zu rechnen. Dass man das neue “Feature” dann aber in einer so Twitter-untypischen Art, quasi mit der Dachlatte eingeführt hat erklärt den Unmut, der Twitter gerade in Form von zahllosen Beschwerden begegnet. Window-Dressing für einen Käufer?
Wer nicht auf das Twitter-Update warten und hoffen will, hat genug Alternativen, die lästige Quick Bar wieder loszuwerden. Der einfachste Weg ist sicher der Umstieg auf einen alternativen Twitter-Client wie z.B. Tweetings oder Osfoora. Der Restore auf die Vorgängerversion oder die Jailbreak-Lösung Twizzler lassen immerhin das Hintertürchen zum gewohnten Twitter for iPhone offen.
Eines haben alle diese Lösungen gemeinsam: sie sind nicht nachhaltig. Ebenso wie Twitter gerade im Begriff ist die Vielzahl von URL-Shortenern auszumerzen, könnte man früher oder später auch gegen alternative Twitter-Clients vorgehen, sollten diese das neue Werbemodell gefährden. Denkbar wäre z.B. eine im Funktionsumfang reduzierte oder zeitversetzte API.
So schade es ist: die Zeiten des kostenlosen Twitterns sind vorbei, ab sofort werden wir mit unserer Aufmerksamkeit bezahlen müssen.
Eine Steuer- oder Beitragserhöhung ist eine “Reform”, der Autohändler oder Versicherungsvertreter mutiert zum “Partner”, der Rabatt wird zum “Preisvorteil”. Ohne Zweifel, Wörter können einlullen und herrlich positive Werte transportieren. Ein anderes, vielstrapaziertes Marketing-Bullshit-Wort ist die “Flatrate”.
Egal, ob in der Form von “All you can eat”, “All Inclusive” oder “Telefon-Flat” – man soll als Verbraucher stets das Gefühl vermittelt bekommen, ein Schnäppchen zu machen.
Tatsächlich? Man kann auch an das Land, in dem Milch und Honig fließt glauben.
In den grauen Vorzeiten der Telefontarife gab es tatsächlich noch sowas wie transparente Preise. Damals, als sich der Text in hellgrauer Schrift auf weißem Grund in Fußnotengröße noch in Zeilen und nicht in Seiten messen ließ, konnte man Tarife tatsächlich noch miteinander vergleichen. Eine Gesprächsminute war eine Gesprächsminute und eine SMS eine SMS. Ein Zustand, der für die Telefongesellschaften unmöglich haltbar war – ermöglichte das doch jedem, der die vier Grundrechenarten beherrschte, Angebote miteinander vergleichen zu können. Und so führte man ein Inklusivangebot nach dem anderen ein, vom kostenlosen Telefonieren an Wochenenden und Feiertagen, über kostenloses Telefonieren in das gleiche Netz bis hin zu SMS-, Minuten- und Datenpaketen. Und ein Telefon gibt’s auch noch oben drauf – mit 2 Jahresvertrag, versteht sich. Wichtig ist dem Kunden zu vermitteln, dass alles einfacher und billiger wird, obwohl der Tarif in Wahrheit komplexer und teurer geworden ist.
Nun weiß jeder: eine Leitung ist eine Leitung und das Datenpaket, das Sprache oder Text transportiert kostet etwas, ob man es nun tagsüber, abends, am Wochenende oder Feiertags absondert. Irgendjemand muss es bezahlen. Die Frage ist, ob man es nach dem Motto “nimm dir was du brauchst” bezahlt, oder ob man tatsächlich nur die Leistung bezahlt, die man nutzt.
Das “Nimm dir was du brauchst”-Prinzip funktioniert so: Ich habe für mein iPhone den Tarif “Complete L, 1. Generation” zum Preis von 69,00€ von der Telekom. Darin enthalten: 200 Gesprächsminuten, 150 SMS sowie eine “Datenflatrate”, von der man aber nur 1 GB vernünftig nutzen kann, weil danach die Bandbreite auf 90er-Jahre-ISDN-Tempo gedrosselt und das iPhone damit praktisch unbrauchbar wird – zumindest was den Bereich Internet angeht.
Was kosten die einzelnen Pakete? Hier der Prepaid-Tarif von Congstar. Gleiches Netz, Telekom-Tochter, Stand: 1/2011.
Preis für 200 Minuten: 200 x 0,09€ = 18€
Preis für 150 SMS: 150 x 0,09€ = 13,50€
Preis für 1 GB Daten: 1024 x 0,005€ = 5,12€.
Congstar bietet pro Tag 500 MB zum Preis von 2,49€ an, was den kalkulatorischen halben Cent pro Megabyte ergibt. Nach 500 MB drosselt Congstar ebenfalls auf 64 KBit/s im Download und 16 KBit/s im Upload.
Macht in Summe: 36,62€. Die verbleibenden 32,38€, also fast 50%, sind der monatliche Preis für die theoretische Möglichkeit, eine Datenflatrate im Schneckentempo zu nutzen.
Noch ungünstiger wird es wenn ich bedenke, dass ich niemals 150 SMS versende sondern im Höchstfall 5-10 (wir schreiben das Jahr 2011, nicht 1998). Außerdem vertelefoniere ich keine 200 Minuten, in der Regel sind es eher um die 60 Minuten. Klar, ich könnte in einen Tarif mit weniger Gesprächsminuten und SMS wechseln – dann wird mein iPhone aber schon nach 300 MB unbrauchbar. Selbstverständlich läßt sich mein Tarif jederzeit nach oben anpassen, sollten sich meine Nutzungsgewohnheiten ändern – aber nicht nach unten. Nicht verbrauchte Gesprächsminuten, SMS oder Datenvolumen verfallen am Ende des Monats. Bin ich der einzige, der sich bei sowas irgendwie verschaukelt fühlt?
Natürlich lassen sich die Congstar-Tarife nicht kombinieren und für Smartphones anwenden. Andere Telefongesellschaften halten das im Prinzip ähnlich. Sie machen ein gutes Geschäft mit Pauschalangeboten, die meistens nicht zu den Nutzungsgewohnheiten der Kunden passen und die sie daher nicht ausnutzen. Die Mehrpreise für Gesprächsminuten und SMS über dem Paketvolumen bzw. die Einschränkungen beim Datenvolumen sind dabei so massiv, dass man sich lieber am größeren Angebot orientiert. In meinem Fall: 0,25€ pro zusätzlicher Gesprächsminute bzw. 0,17€ pro zusätzlicher SMS.
Flatrates passen zur “Geiz ist geil”-Mentalität von Otto Normalverbraucher. Die scheinbare Möglichkeit, eine Leistung pauschal in Anspruch nehmen zu können, läßt offenbar jede objektive Betrachtungsweise in den Hintergrund treten.
Ich möchte mein Telefon gerne dort kaufen, wo es am günstigsten ist und mir einen Tarif aussuchen können, der zu mir passt. Ich möchte bezahlen, was ich verbrauche. Nicht flat, sondern smart.