Schlicht und einfach
Wochen des Faktenchecks liegen hinter uns und Bahnhofsflüsterer Heiner Geißler erntete währenddessen viel Lob von allen Beteiligten. Als Modell für zukünftige Großprojekte sollte die Schlichtung sogar dienen und ein neues Demokratieverständnis einläuten.
Nun ist er endlich gefallen, der Schlichterspruch und der als eher schlicht gehandelte Stefan Mappus hat seinen ersten Big Point eingefahren. Eben noch sollte er neben OB Schuster vom wütenden Mob geteert und gefedert werden, jetzt bekommt er sein Projekt sogar noch veredelt und mit einem Schleifchen versehen. Geißlers Wort hat Gewicht und der Schlichterspruch setzt genau bei den Kritikpunkten der Projektgegner an. Der Bahnhof soll ausgebaut und leistungsfähiger gemacht werden, die Bäume im Schloßgarten sollen verpflanzt und die frei werdenden Grundstücke sollen einer Stiftung zugeführt werden, um Grundstücksspekulation vorzubeugen. Ebenso wie der Volksentscheid ist damit das Konzept der Projektgegner vom Tisch.
Mappus ist das Risiko der Schlichtung eingegangen und hat gewonnen. Aufgrund der hohen Zustimmung zur Schlichtung seitens der Bevölkerung und der Beliebtheit Heiner Geißlers hat sich Mappus sozusagen die Legitimation des Volks durch die Hintertür erworben. Auch wenn die Proteste mit dem Ende der Schlichtung nicht aufhören werden, so wird am Ende niemand als Spielverderber dastehen wollen. Der große Graben ist wohl für's erste zugeschüttet.
Am Ende dürften sogar die Grünen mit dem Schlichterspruch zufrieden sein: er läßt ihnen die Möglichkeit, sich im kommenden Wahlkampf weiter gegen Stuttgart 21 zu positionieren. Es wäre für mich keine große Überraschung, wenn das Projekt auch im Falle eines Regierungswechsels unter Hinweis auf die bis dahin noch höheren Ausstiegskosten fortgeführt werden würde. Politik ist, wenn man trotzdem lacht.