Erik Schimmel Was raus muss, muss raus.

7Mrz/110

Das Dick Bar-Dilemma

Seit dem 3. März ist Schluß mit lustig: mit der Version 3.3 führt Twitter Werbung auf den iOS-Clients ein und geht damit den Usern massiv auf die Nerven. Ein Update ist bereits im App Store eingereicht, ausschalten lassen wird sich das unbeliebte Feature aber wohl nicht.

Twitter submitted an update to Apple yesterday for our iPhone app. It fixes some bugs & makes it so the quickbar doesn't overlay on Tweets

Die "Dick Bar", benannt nach Twitter-Chef Dick Costolo, überlagert die Timeline mit einem aufdringlichen schwarzen Balken, der neben den "trending Topics" auch Werbetweets einblendet.

Wirklich überraschend kam das nicht. Mit einem kostenlosen Dienst und kostenlosen Clients läßt sich nun mal kein Geld verdienen. Früher oder später war also mit Werbung in der einen oder anderen Form zu rechnen. Dass man das neue "Feature" dann aber in einer so Twitter-untypischen Art, quasi mit der Dachlatte eingeführt hat erklärt den Unmut, der Twitter gerade in Form von zahllosen Beschwerden begegnet. Window-Dressing für einen Käufer?

Wer nicht auf das Twitter-Update warten und hoffen will, hat genug Alternativen, die lästige Quick Bar wieder loszuwerden. Der einfachste Weg ist sicher der Umstieg auf einen alternativen Twitter-Client wie z.B. Tweetings oder Osfoora. Der Restore auf die Vorgängerversion oder die Jailbreak-Lösung Twizzler lassen immerhin das Hintertürchen zum gewohnten Twitter for iPhone offen.

Eines haben alle diese Lösungen gemeinsam: sie sind nicht nachhaltig. Ebenso wie Twitter gerade im Begriff ist die Vielzahl von URL-Shortenern auszumerzen, könnte man früher oder später auch gegen alternative Twitter-Clients vorgehen, sollten diese das neue Werbemodell gefährden. Denkbar wäre z.B. eine im Funktionsumfang reduzierte oder zeitversetzte API.

So schade es ist: die Zeiten des kostenlosen Twitterns sind vorbei, ab sofort werden wir mit unserer Aufmerksamkeit bezahlen müssen.

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3Sep/100

Twitter for iPad – Geniestreich mit Abstrichen

Seit gestern ist die die offizielle Twitter-App für das iPad (Link zum AppStore) verfügbar. Wie schon das Pendant für das iPhone, setzt die App auch für das iPad neue Maßstäbe in punkto Funktionalität und Bedienung.

Als Autor Loren Brichter im Oktober 2009 das Update für seine populäre Twitter App veröffentlichte, entwickelte sich Tweetie 2 schnell zur Standardanwendung für Twitter auf dem iPhone. Während andere Clients zwar mit Features überladen, aber träge und umständlich zu bedienen waren, überzeugte Tweetie durch Schnelligkeit und clevere Bedienung. Die Funktion, eine Tabellenansicht zum Aktualisieren nach unten zu ziehen ("pull to release") hat sich mittlerweile in vielen iPhone-Apps (Facebook, Gowalla, Foursquare, Osfoora oder Bird Brain, um einige zu nennen) durchgesetzt.

Das hat man auch bei Twitter erkannt und Brichter samt seiner Software aufgekauft. Nach einigen kleineren Anpassungen an aktuelle Entwicklungen rund um Twitter ist der offizielle Twitter-Client jetzt als Universal-App für das iPhone und das iPad erschienen.

Während sich andere Twitter Clients für das iPad schlicht auf Anpassungen ihrer iPhone-Anwendungen auf das Großformat des iPads beschränken, kommt Twitter for iPad mit einem neuen und genialen Bedienkonzept daher. Twitter ist heute weit mehr als ein simpler Textnachrichtendienst. Twitter transportiert und verschlagwortet Informationen verschiedener Art - Texte im einfachsten Fall, aber auch Links auf Bilder oder andere Inhalte im Web. Das iPad eignet sich hervorragend als Frontend für diese Art von Inhalten und Twitter for iPad bereitet diesen Informationsfluß hierarchisch und übersichtlich auf.

Im einfachsten Fall besteht ein Tweet einfach aus Text und wird als solcher in der Timeline oder Liste angezeigt. Tippt man auf den Tweet, werden in einem Fenster, das die Timeline überlappt, aber nicht verdeckt, Informationen über den Autor angezeigt - inklusive Vorschlägen, wem man bei Interesse ebenfalls folgen könnte. Beinhaltet ein Tweet einen Reply oder einen Link, wird die gesamte Konversation bzw. der  Webinhalt automatisch eingeblendet. Über die Fingergesten lassen sich Inhalte vergrößern oder verkleinern, weitere Aktionen wie Reply oder Weiterleiten stehen als Aktionen zur Verfügung. Die Timeline wird so zu einer Liste aus Schlagzeilen, deren weiterführende Informationen übersichtlich in weiteren Fenstern angeboten werden. Praktisch ist auch, dass beim Antworten auf einen Tweet der Ausgangstweet im Blickfeld bleibt. Durch Wischgesten lassen sich die eingeblendeten Fenster verschieben - ohne die Timeline aus dem Blickfeld zu verlieren.

Anfänglich ist die Steuerung durch Tippen und Wischen noch sehr verwirrend. Das liegt vor allem daran, dass dieses Bedienkonzept erst von wenigen Anwendungen ausgenutzt wird. Nach kurzer Eingewöhnung macht diese Art zu Twittern aber richtig süchtig, die Anordnung der Informationen ist einfach und praktisch.

Leider sind in der aktuellen Version auch einige neue Bugs aufgetreten. Probleme gibt es beim Tippen auf Posts mit der Universal App unter iOS 3, ein Update ist bereits angekündigt. Hoffentlich liefert dieses Update auch Funktionen nach, die in der iPhone-App enthalten sind, der iPad-App aber noch fehlen: derzeit lassen sich keine Suchbegriffe speichern oder gespeicherte Suchbegriffe löschen. Die Retweet-Funktionen, um sich die eigenen Retweets oder die der Followings anzeigen zu lassen sucht man auch noch vergeblich.

Ebenfalls ärgerlich: Tweets und DM's lassen sich nicht löschen. Ist das im Fall eines Tweets noch zu verschmerzen, da man ihn über den Webclient entfernen kann lassen sich auf dem iPad geladene DM's nur durch Löschen und erneutes Installieren der Anwendung entfernen, der Abgleich mit den online gespeicherten Nachrichten funktioniert noch nicht richtig.

Unter dem Strich überwiegt aber eindeutig der positive Eindruck. Die App nutzt die Eigenschaften des iPads hervorragend aus, die derzeitigen Bugs stellen keine größeren Probleme dar und dürften bald behoben sein. Loren Brichter und sein Mitentwickler Bryan Haggerty haben mit Twitter for iPad eine Referenzanwendung geschaffen, die für andere Entwickler Vorbild werden dürfte. Vielleicht sieht man das im Hause Facebook auch so.

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